Über das Weingut
Château de Ferrand – Weine aus Bordeaux von den Höhen Saint-Émilions
Château de Ferrand liegt dort, wo Saint-Émilion besonders hoch hinausgeht. Auf den Ton-Kalk-Böden von Saint-Hippolyte erreichen die Weinberge rund 100 Meter und gehören damit zu den höchstgelegenen der Appellation. 32 zusammenhängende Hektar, ein wachsender Anteil Cabernet Franc und die seit Jahren betriebene Neuordnung des Weinbergs prägen heute einen Rotwein, der Frucht und Substanz mit kalkiger Frische verbindet. Seit 2012 ist Château de Ferrand Grand Cru Classé, seit 2024 arbeitet das Weingut bio-zertifiziert. Unter den Weinen aus Bordeaux steht Ferrand damit für eine moderne, präzise Interpretation des östlichen Kalksteinplateaus von Saint-Émilion.
Ein Château mit drei Jahrhunderten Geschichte
Die Geschichte von Château de Ferrand beginnt Anfang des 18. Jahrhunderts. 1702 erwarb Élie de Bétoulaud, Jurist und Kunstliebhaber am Hof Ludwigs XIV., das Anwesen. Er ließ das Château errichten und gab ihm eine ungewöhnliche architektonische Gestalt: Seine lange Fassade öffnet sich zum Dordogne-Tal, davor entstanden Grotten und Wasserspiele.
Über fast drei Jahrhunderte gab es lediglich zwei Eigentümerfamilien. Nach den Bétoulauds gelangte Ferrand durch Erbschaft an die Familie des Marquis de Mons und blieb dort bis 1934. 1934 erwarb der französisch-amerikanische Unternehmer Robert du Bos das Anwesen, bevor es 1978 an Baron Marcel Bich verkauft wurde – den Mitbegründer des Unternehmens BIC und Erfinder beziehungsweise Vermarkter des weltberühmten Kugelschreibers BIC Cristal sowie der Feuerzeuge.
Heute wird das Château von seiner Enkelin Pauline Bich Chandon-Moët und ihrem Ehemann Philippe Chandon-Moët geführt. Die Familie hat insbesondere seit Ende der 2000er-Jahre erheblich in Weinberge, Keller und Gebäude investiert. Der Erfolg dieser Entwicklung wurde 2012 sichtbar: Château de Ferrand wurde erstmals als Grand Cru Classé in die Klassifikation von Saint-Émilion aufgenommen. Bei der jüngsten Klassifikation von 2022 wurde dieser Status bestätigt.
32 Hektar in einem Stück
Eine Besonderheit von Château de Ferrand ist die Geschlossenheit des Besitzes. Die 32 Hektar Rebfläche bilden einen zusammenhängenden Weinberg rund um das Château. Hinzu kommen rund zehn Hektar Wald, Wiesen und andere nicht mit Reben bepflanzte Flächen.
Für Saint-Émilion ist das keineswegs selbstverständlich. Viele Châteaus besitzen zahlreiche kleine, über die Appellation verteilte Parzellen. Ferrand dagegen bildet ein geschlossenes Ökosystem. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Böden homogen wären. Im Gegenteil: Ton und Kalkstein treten in unterschiedlichen Verhältnissen und Tiefen auf. Auch die Höhenlage variiert erheblich.
Der höchste Teil liegt bei rund 100 Metern über dem Meeresspiegel. Damit gehört Ferrand zu den höchstgelegenen Weinbergen von Saint-Émilion. Die exponierte Position sorgt für eine gute Durchlüftung, während die leichten Hangneigungen überschüssiges Regenwasser ableiten.
Gerade in heißen Jahren spielt zudem der Kalkstein eine wichtige Rolle. Er kann im Winter Wasser aufnehmen und während trockener Sommerperioden langsam wieder abgeben. Beim extrem warmen und trockenen Jahrgang 2022 stellte das Château deshalb nur geringen Trockenstress fest.
Vom Merlot zum stärkeren Cabernet Franc
Eine der interessantesten Entwicklungen bei Château de Ferrand betrifft den Rebsortenspiegel. Merlot dominiert weiterhin, doch Cabernet Franc gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Früher standen neben Merlot lediglich rund 8 % Cabernet Franc, dafür aber 14 % Cabernet Sauvignon im Weinberg. Im Zuge der umfassenden Neustrukturierung wurden Böden und Unterböden kartiert und die Rebsorten genauer auf die einzelnen Parzellen abgestimmt.
Heute nennt das Château 70 % Merlot, 29 % Cabernet Franc und nur noch 1 % Cabernet Sauvignon. Gleichzeitig wurde bei Neupflanzungen die Pflanzdichte auf rund 8.300 Rebstöcke pro Hektar erhöht. Die Veränderung ist auch in den Weinen angekommen. Der 2021er bestand bereits aus 64 % Merlot, 35 % Cabernet Franc und 1 % Cabernet Sauvignon. 2022 waren es 66 % Merlot und 34 % Cabernet Franc, 2023 schließlich 65 % Merlot und 35 % Cabernet Franc.
Das verleiht dem Wein eine andere Balance. Merlot sorgt für Volumen, dunkle und rote Frucht sowie Geschmeidigkeit. Cabernet Franc steuert florale Noten, Frische, Säure und eine straffere Kontur bei. Gerade auf den kalkreichen Böden von Ferrand kann die Sorte ihre Stärken ausspielen.
Seit 2024 biologisch zertifiziert
Die Bewirtschaftung hat sich in den letzten Jahren verändert. Ferrand arbeitete bereits zuvor nach den Vorgaben von Terra Vitis und ist außerdem nach HVE sowie ISO 14001 zertifiziert. 2021 begann die offizielle Umstellung auf biologischen Weinbau. Der Jahrgang 2023 war das letzte Jahr der Konversion; inzwischen trägt das Château die Zertifizierung Agriculture Biologique.
Die rund zehn Hektar Wald und Wiesen, die den Weinberg ergänzen, wurden bei den umfangreichen Umstrukturierungen bewusst erhalten. Sie schaffen Rückzugsräume für Tiere und Insekten und verhindern, dass der Besitz aus einer geschlossenen Rebmonokultur besteht.
Für Ferrand ist diese Entwicklung eng mit der Frage verbunden, wie das hoch gelegene Kalkstein-Terroir langfristig bewirtschaftet werden kann. Gerade die Kombination aus Begrünung, Bodenarbeit, Biodiversität und der Wasserspeicherfähigkeit des Kalksteins gewinnt angesichts trockener und heißerer Vegetationsperioden an Bedeutung.
Ein neuer Keller für viele kleine Partien
Parallel zur Arbeit im Weinberg wurde auch der Keller grundlegend modernisiert. Die erste große Renovierungsphase begann 2009. Im März 2019 wurde eine weitere umfassende Erweiterung abgeschlossen. Entscheidend war dabei weniger eine spektakuläre technische Neuerung als die Möglichkeit, die zunehmende Parzellierung des Weinbergs auch im Keller fortzuführen.
Dafür stehen zahlreiche kleinere Gärbehälter aus Beton und Edelstahl zur Verfügung. Unterschiedliche Parzellen können getrennt gelesen und vinifiziert werden, bevor später entschieden wird, welche Partien in den Grand Vin gelangen. Die Trauben werden von Hand gelesen und sorgfältig selektiert. Die Vinifikation zielt heute weniger auf maximale Extraktion als auf Klarheit, Frucht und eine feine Tanninstruktur.
Der steigende Cabernet-Franc-Anteil unterstützt diese Entwicklung. Die Sorte bringt zusätzliche Spannung und verlängert den Wein, während Merlot weiterhin für das Volumen und die saftige Mitte verantwortlich bleibt.
Château de Ferrand und Le Différent de Château de Ferrand
Die strengste Selektion bildet den Grand Vin "Château de Ferrand". Traditionell gelangt der größere Teil der Ernte in diesen Wein, wobei der genaue Anteil vom jeweiligen Jahrgang abhängt.
Daneben entsteht "Le Différent de Château de Ferrand". Der zweite Wein stammt vor allem aus jüngeren Anlagen sowie von Parzellen, deren Bodenstruktur sich vom Kernterroir des Grand Vin unterscheidet.
Die Selektion ist dabei nicht starr. In besonders geeigneten Jahrgängen kann ein deutlich größerer Anteil der Ernte für den "Château de Ferrand" verwendet werden. 2018 beispielsweise wurde die gesamte geeignete Produktion für den Grand Vin ausgewählt.
Dieser Ansatz entspricht der zunehmenden Präzision im Weinberg: Nicht eine festgelegte Quote entscheidet darüber, welcher Wein aus einer Parzelle entsteht, sondern die Qualität und der Charakter des jeweiligen Jahrgangs.
Kalkstein als stilistischer Schlüssel
Stilistisch hat sich Château de Ferrand in den vergangenen 15 Jahren deutlich verändert. Der Wein besitzt weiterhin die reife Frucht, die man von Merlot aus Saint-Émilion erwartet. Doch der höhere Cabernet-Franc-Anteil und die präzisere Parzellierung haben Frische und Kontur verstärkt.
Schwarzkirsche, Pflaume und dunkle Beeren werden von Veilchen, Kräutern und einer feinen Würze begleitet. Die Tannine wirken zunehmend geschliffen, während die kalkreichen Böden für einen frischen, oft leicht kreidigen Nachhall sorgen.
Der 2022er zeigt diese Entwicklung besonders deutlich. Er besteht aus 66 % Merlot und 34 % Cabernet Franc. Das Château selbst hebt die Spannung hervor, die der Cabernet Franc in diesem warmen Jahrgang liefert. Internationale Kritiker bewerteten den Wein entsprechend hoch, darunter Jane Anson mit 94 Punkten und Decanter ebenfalls mit 94 Punkten.
Grand Cru Classé seit 2012
Dass Château de Ferrand erst 2012 zum Grand Cru Classé aufstieg, macht seine Entwicklung besonders interessant. Der Besitz selbst ist jahrhundertealt, doch seine heutige qualitative Ausrichtung ist das Ergebnis einer jungen Transformation.
Die Klassifikation war dabei eher eine Zwischenstation als ein Endpunkt. Seitdem wurden die Weinberge weiter neu bepflanzt, der Cabernet-Franc-Anteil massiv erhöht, der Keller modernisiert und die Bewirtschaftung auf biologischen Weinbau umgestellt. Bei der Klassifikation von 2022 wurde Château de Ferrand erneut als Grand Cru Classé bestätigt.
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