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Über das Weingut
Château Giscours – Margaux zwischen Kraft und Eleganz
Château Giscours verkörpert schon äußerlich das klassische Bild des Médoc: schmiedeeiserne Tore, eine lange Auffahrt, das neoklassizistische Château und ein weitläufiger Park, dahinter Weinberge, Wälder und die historischen Wirtschaftsgebäude der Ferme Suzanne. Seit 1855 ist Giscours als 3ème Grand Cru Classé eingestuft. Doch entscheidender als die imposante Kulisse ist die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte. Seit der Übernahme durch Eric Albada Jelgersma 1995 wurden die Weinberge grundlegend untersucht und neu strukturiert. Cabernet Sauvignon rückte wieder stärker ins Zentrum, die Parzellen werden differenzierter bewirtschaftet und die Vinifikation präziser. So entstehen heute Weine aus Bordeaux, die Kraft und Struktur mit jener aromatischen Feinheit verbinden, die man von Margaux erwartet.
Eine Geschichte, die bis ins 16. Jahrhundert reicht
Die Ursprünge von Giscours lassen sich bis 1552 zurückverfolgen. Damals erwarb der wohlhabende Bordelaiser Tuchhändler Pierre de Lhomme das Anwesen "Guyscoutz", vergrößerte den Besitz und ließ auf zuvor ungenutztem Land Reben pflanzen. Damit begann die eigentliche Geschichte von Giscours als Weingut.
Seine entscheidende Gestalt erhielt das Gut jedoch im 19. Jahrhundert. Jean-Pierre Pescatore, ein bedeutender Bankier und Geschäftsmann, übernahm Giscours 1847 und investierte erheblich in Weinberge und Gebäude. Pierre Skawinski modernisierte als Verwalter den Weinbau und die Kellerarbeit. Diese Entwicklung trug dazu bei, dass Château Giscours 1855 als 3ème Grand Cru Classé eingestuft wurde.
Unter Édouard Cruse wurde der Besitz ab 1875 weiter ausgebaut. In dieser Zeit entstand auch der weitläufige Park rund um das Château, den der renommierte Landschaftsarchitekt Eugène Bühler gestaltete. Gleichzeitig wurde mit der Ferme Suzanne ein für seine Zeit ungewöhnlich fortschrittlicher landwirtschaftlicher Betrieb geschaffen.
Niedergang und Wiederaufbau
Wie viele Châteaux des Médoc durchlebte auch Giscours im 20. Jahrhundert schwierige Jahrzehnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Besitz stark heruntergewirtschaftet. Ab 1952 leitete Nicolas Tari den Wiederaufbau ein und reorganisierte den rund 300 Hektar großen Gesamtbesitz.
Der nächste entscheidende Einschnitt erfolgte 1995, als der niederländische Unternehmer Eric Albada Jelgersma Giscours übernahm. Die Weinberge wurden umfassend untersucht, neu bepflanzt und auf ihre unterschiedlichen Bodentypen abgestimmt. Gleichzeitig kehrte die Handlese zurück, die Laubwände wurden erhöht und die Pflanzdichten angepasst.
Nach dem Tod Eric Albada Jelgersmas 2018 blieb Giscours im Familienbesitz. Das Château führt die Familie Albada Jelgersma bis heute als Eigentümer. Alexander van Beek, der bereits seit vielen Jahren eng mit der Entwicklung des Weinguts verbunden ist, prägt als Generaldirektor wesentlich dessen moderne Ausrichtung.
Ein außergewöhnlich großer Besitz
Giscours ist selbst für Médoc-Verhältnisse ein weitläufiges Anwesen. Rund um Château, Park und historische Wirtschaftsgebäude erstrecken sich Weinberge, Waldflächen, Wiesen und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Das Château selbst spricht heute von einem Margaux-Weinberg von rund 100 Hektar.
Hinzu kommen 60 Hektar in der benachbarten Appellation Haut-Médoc. Sie werden vom gleichen Team bewirtschaftet und bilden die Grundlage für den Haut-Médoc Giscours. Die Margaux-Rebflächen verteilen sich auf mehrere große Kieskuppen. Gerade diese croupes de graves sind für Cabernet Sauvignon ideal: Die Böden entwässern schnell, speichern tagsüber Wärme und zwingen die Reben zu einer tiefen Durchwurzelung.
Unter den mächtigen Kiesablagerungen befindet sich Kalkstein. Unterschiede in Kiesmächtigkeit, Sand- und Tonanteilen sorgen dafür, dass die einzelnen Parzellen trotz der auf den ersten Blick homogenen Landschaft deutlich unterschiedliche Eigenschaften besitzen.
Die Rückkehr des Cabernet Sauvignon
Eine der wichtigsten Veränderungen seit Mitte der 1990er-Jahre betrifft die Rebsorten. Zuvor war der Anteil des Merlot stark erhöht worden – eine Entwicklung, die im Médoc während der 1960er- und 1970er-Jahre auf mehreren Gütern zu beobachten war.
Die detaillierte Untersuchung der Böden zeigte jedoch, wie hervorragend viele Parzellen von Giscours für Cabernet Sauvignon geeignet sind. Entsprechend wurde bei Neupflanzungen wieder stärker auf Cabernet gesetzt.
Diese Entwicklung prägt heute auch den Grand Vin. Cabernet Sauvignon bildet in den meisten Jahrgängen klar die Basis der Assemblage und sorgt für Cassis, Grafit, Zedernholz, Struktur und Länge. Merlot bringt dunklere, rundere Frucht und zusätzliche Fülle, während Cabernet Franc und Petit Verdot die Cuvée um florale, würzige und pfeffrige Akzente ergänzen. Giscours ist dadurch heute deutlich stärker als klassischer Cabernet-geprägter Margaux erkennbar.
Parzellenweise Arbeit im Keller
Die Neuausrichtung im Weinberg ging mit einer präziseren Vinifikation einher. Für die Gärung stehen Beton- und Edelstahltanks zur Verfügung. Die Extraktion wird an den jeweiligen Jahrgang und die Eigenschaften der einzelnen Partien angepasst. Auch beim Ausbau geht es heute weniger darum, möglichst viel Holz einzusetzen, als die Struktur des Cabernet Sauvignon zu verfeinern und die aromatische Klarheit zu erhalten.
Damit hat sich auch die Stilistik verändert. Giscours war lange für kraftvolle, manchmal robuste Margaux-Weine bekannt. Die heutige Generation besitzt weiterhin Substanz, wirkt aber präziser und feinkörniger.
La Sirène de Giscours
"La Sirène de Giscours" ist der Zweitwein des Château. Der Name nimmt die Meerjungfrau auf, die seit 1900 auf den Etiketten des Grand Vin erscheint und inzwischen zum Wahrzeichen des Weinguts geworden ist.
Die Trauben stammen ebenfalls aus den Margaux-Weinbergen des Besitzes und werden mit demselben Anspruch wie der Grand Vin erzeugt. Die Selektion und der Ausbau zielen jedoch stärker auf Frucht, Geschmeidigkeit und eine frühere Zugänglichkeit.
60 Hektar Haut-Médoc
Eine Besonderheit von Giscours sind die umfangreichen Rebflächen außerhalb der Appellation Margaux. 60 Hektar liegen in der AOC Haut-Médoc und werden seit mehr als drei Jahrzehnten vom Team des Château bewirtschaftet. Der erste Jahrgang von "Haut-Médoc Giscours" entstand 1992.
Die Böden bestehen hier aus feinen Graves und Sand. Der Wein wird bewusst früher zugänglich erzeugt als Château Giscours und verbindet Cabernet-geprägte Struktur mit saftiger Frucht und Frische.
Margaux mit Struktur
Château Giscours nimmt innerhalb von Margaux eine interessante Position ein. Der Wein besitzt mehr Kraft und Schulter als manche besonders duftigen, filigranen Vertreter der Appellation, ohne deshalb seine Herkunft zu verleugnen.
Gerade die stärkere Ausrichtung auf Cabernet Sauvignon hat das Profil geschärft. Cassis, dunkle Beeren und Grafit sorgen für Pauillac-artige Struktur, während Veilchen, Gewürze, feine Frucht und seidige Tannine den Wein eindeutig in Margaux verorten.
Die besten Jahrgänge benötigen Zeit und entwickeln über viele Jahre zusätzliche Komplexität. Entsprechend wird Château Giscours regelmäßig von Parker’s The Wine Advocate und anderen internationalen Kritikern bewertet. Die Parker-Weine der vergangenen Jahre dokumentieren dabei vor allem die qualitative Konstanz, die das Château nach jahrzehntelanger Arbeit im Weinberg erreicht hat.
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