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Über das Weingut
Domaine de Chevalier
Die Domaine de Chevalier gehört zu den profilierten Weingütern von Pessac-Léognan und nimmt innerhalb der Weine aus Bordeaux eine besondere Stellung ein. Als Grand Cru Classé de Graves ist sie sowohl für ihren Rotwein als auch für ihren Weißwein klassifiziert – eine seltene Kombination, die den außergewöhnlichen Rang des Guts unterstreicht. Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot prägen die roten Cuvées, Sauvignon Blanc und Sémillon die weißen.
Charakteristisch ist ein Stil, der weniger auf Opulenz als auf Präzision, Frische und Reifefähigkeit setzt. Gerade die von Wald umgebene Lage auf einem hoch gelegenen Plateau sorgt für markante Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Das verleiht den Weinen aromatische Spannung und erklärt einen Teil ihrer Langlebigkeit.
Ein Grand Cru Classé für Rot und Weiß
Seit 1983 gehört die Domaine de Chevalier Olivier und Anne Bernard. Sie sind erst die dritte Familie, die das Gut seit 1865 führt. Inzwischen arbeiten auch ihre Söhne Adrien und Hugo im Betrieb mit.
Die Rebfläche umfasst rund 51 Hektar in einem zusammenhängenden Besitz. Davon entfallen etwa 44 Hektar auf rote und rund 6 Hektar auf weiße Rebsorten. Der Grand Vin Rouge macht ungefähr 60 % der Rotweinproduktion aus, daneben gibt es mit "L’Esprit de Chevalier" einen Zweitwein sowie kleine Mengen eines dritten Weins namens "Pessac-Léognan de Domaine de Chevalier".
Diese überschaubare Größe erlaubt eine sehr präzise Parzellenarbeit. Gleichzeitig gehört die Domaine zu jenen Gütern, die auch in schwierigeren Jahrgängen oft erstaunlich konstante Ergebnisse erzielen.
Kies, schwarzer Sand und Lehm
Die Weinberge liegen an der westlichen Flanke von Pessac-Léognan auf einem Plateau, das bis auf etwa 60 Meter ansteigt. Die Böden bestehen aus Kies, schwarzem Sand und Lehm und sind vollständig von Wald umgeben.
Diese Lage wirkt in zweifacher Hinsicht. Einerseits entstehen große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, die Frische und aromatische Komplexität fördern. Andererseits treiben die Reben vergleichsweise früh aus und sind damit stärker durch Spätfröste gefährdet. Zur Frostbekämpfung setzt das Gut unter anderem Windmaschinen ein.
Für Cabernet Sauvignon sind die gut drainierten Kieslagen besonders geeignet. Merlot profitiert von etwas lehmigeren Partien. Bei den Weißweinen sorgen kühlere Zonen dafür, dass Sauvignon Blanc seine Spannung behält, während Sémillon auf strukturreicheren Böden Körper und Tiefe entwickelt.
Cabernet Sauvignon als Rückgrat
Bei den roten Rebsorten dominiert Cabernet Sauvignon mit rund 61 %. Hinzu kommen etwa 28 % Merlot, 9 % Petit Verdot und rund 2 % Cabernet Franc. Die Reben stehen mit einer hohen Pflanzdichte von etwa 10.000 Stöcken pro Hektar.
Cabernet Sauvignon liefert Cassis, Grafit, Struktur und die lange, kühle Linie. Merlot sorgt für Volumen und dunkle Frucht. Cabernet Franc setzt florale und würzige Akzente, während Petit Verdot mit Farbe, Pfeffer und zusätzlicher Spannung beiträgt.
Der fertige Rotwein zeigt häufig Schwarze Johannisbeere, dunkle Kirsche, Zeder, Tabak und eine feine rauchige Würze. Die Tannine sind präsent, aber präzise, und die Weine wirken häufig deutlich kühler, als ihre südwestliche Lage vermuten lässt.
Ein Premium-Wein mit langem Atem
Der "Domaine de Chevalier Rouge" gehört zu jenen Premium-Weinen aus Bordeaux, die Zeit brauchen. In den vorliegenden Angaben wird hervorgehoben, dass der Wein sein volles Potenzial oft erst nach rund zehn Jahren Flaschenreife entfaltet.
Vergoren wird in Edelstahltanks, die Extraktion erfolgt unter anderem durch manuelles Unterstoßen. Anschließend reift der Rotwein je nach Jahrgang etwa 18 bis 22 Monate im Fass. Der Anteil neuer Eiche liegt typischerweise bei ungefähr 35 %.
Dieser vergleichsweise moderate Neuholzanteil passt gut zum Stil des Hauses. Die Eiche soll Struktur geben, ohne Frucht und Terroir zu überdecken. Mit zunehmender Reife treten neben Cassis und Grafit komplexe Noten von Tabak, Leder, Erde und Gewürzen hervor.
Domaine de Chevalier Blanc
Mindestens ebenso berühmt ist der "Domaine de Chevalier Blanc". Die rund sechs Hektar Weißweinfläche sind zu etwa 70 % mit Sauvignon Blanc und zu 30 % mit Sémillon bepflanzt.
Sauvignon Blanc liefert Zitrusfrucht, Kräuter, Frische und eine salzige Spannung. Sémillon bringt Textur, Substanz und ein außergewöhnliches Reifepotenzial. Junge Weine zeigen häufig weißen Pfirsich, Zitrus, Fenchel und florale Noten. Mit der Flaschenreife entwickeln sich zusätzliche Nuancen von Honig, Wachs, Nüssen und Gewürzen, ohne dass die Frische verloren geht.
Der Weißwein wird im Fass vergoren und auf der Hefe ausgebaut. Rund ein Drittel der Fässer ist neu. Damit gehört der Ausbau klar zum Stil, bleibt aber auf Balance ausgerichtet.
Naturnahe Bewirtschaftung ohne großes Etikett
Die Familie Bernard arbeitet ihre Weinberge biologisch beziehungsweise biodynamisch, verzichtet aber auf eine offizielle Zertifizierung und stellt diesen Aspekt nicht in den Vordergrund.
Das passt zur Philosophie der Domaine: Technik und Bewirtschaftung sollen dem Wein dienen, nicht umgekehrt. Selektive Lese, hohe Pflanzdichte, präzise Parzellenarbeit und ein kontrollierter Holzeinsatz zielen darauf, Frische, Struktur und Herkunft möglichst klar abzubilden. In schwierigen Jahren hat man bei der Wahl der Spritzmittel dann allerdings auch freie Hand.
Eine besondere Adresse in Pessac-Léognan
Die Domaine de Chevalier gehört zu den wenigen Weingütern, deren rote und weiße Weine gleichermaßen zu den Spitzen ihrer jeweiligen Kategorie zählen. Der Rotwein verbindet Cabernet-geprägte Struktur mit der Geschmeidigkeit von Merlot, der Würze von Cabernet Franc und der Spannung von Petit Verdot. Der Weißwein setzt auf die klassische Verbindung von Sauvignon Blanc und Sémillon.Was beide verbindet, ist die kühle Präzision der Waldlage.
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