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Über das Weingut
Château Duhart-Milon – Rothschild-Pauillac mit eigenem Charakter
Château Duhart-Milon ist der einzige 4ème Grand Cru Classé von Pauillac und seit 1962 Teil der Domaines Barons de Rothschild Lafite. Die Nähe zu Château Lafite Rothschild ist dabei weit mehr als eine familiäre Verbindung: Der 76 Hektar große Weinberg schließt westlich unmittelbar an Lafite an und setzt das berühmte Plateau der Carruades auf dem Milon-Hügel fort. Dennoch besitzt Duhart-Milon einen eigenen Charakter. Das etwas kühlere Terroir und die Unterschiede in Böden und Exposition bringen einen Pauillac hervor, der lange für seine feste, fast strenge Struktur bekannt war. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Stil deutlich verfeinert. Heute verbinden diese Weine aus Bordeaux klassische Cabernet-Struktur mit mehr Frucht, geschmeidigeren Tanninen und einer früheren Zugänglichkeit.
Eng mit der Geschichte von Lafite verbunden
Die Verbindung zwischen Duhart-Milon und Lafite reicht weit vor den Erwerb durch die Familie Rothschild zurück. Im frühen 18. Jahrhundert ließ Nicolas-Alexandre de Ségur, damals Besitzer von Lafite, bereits Wein aus dem Gebiet von Milon erzeugen. Die dortigen Reben lieferten einen Wein, der als eine Art Zweitwein von Lafite gehandelt wurde.
Der Name Duhart kam später hinzu. Der Überlieferung zufolge war der "Sieur Duhart" ein Korsar unter Ludwig XV., der sich nach seiner aktiven Zeit in Pauillac niederließ. Sein Haus am Hafen soll jenes Gebäude sein, das bis heute das Etikett von Château Duhart-Milon ziert. Das Gut selbst wurde zunächst als Milon, später als Mandavy-Milon bezeichnet. 1855 erfolgte die Einstufung als 4ème Grand Cru Classé – bis heute ist Duhart-Milon das einzige Quatrième Cru der Gemeinde Pauillac.
Wiederaufbau unter Rothschild
Als die Domaines Barons de Rothschild Lafite Château Duhart-Milon 1962 übernahmen, war von der historischen Bedeutung des Weinguts nur noch wenig zu erkennen. Kriege, Wirtschaftskrisen und mehrere Besitzerwechsel hatten ihre Spuren hinterlassen. Die Rebfläche war auf rund 17 Hektar geschrumpft, ein großer Teil der verbliebenen Weinberge musste erneuert werden.
Die Rothschilds begannen deshalb ein langfristiges Wiederaufbauprogramm. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurden große Flächen neu bepflanzt, später kamen weitere Parzellen hinzu. Allein zwischen 1973 und 2001 wuchs der Weinberg von 42 auf 71 Hektar. Heute umfasst Château Duhart-Milon 76 Hektar. Viele der damals gepflanzten Reben haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem sie zunehmend zur Tiefe und Komplexität des Grand Vin beitragen.
Seit 2018 steht Saskia de Rothschild an der Spitze der Domaines Barons de Rothschild Lafite und führt damit die nächste Generation des Familienunternehmens. Zu dessen Portfolio gehören neben Château Lafite Rothschild und Duhart-Milon unter anderem Château L’Évangile in Pomerol, Château Rieussec in Sauternes sowie Los Vascos in Chile, Bodegas CARO in Argentinien und Long Dai in China.
76 Hektar am Plateau der Carruades
Der Weinberg von Château Duhart-Milon liegt im Norden von Pauillac und erstreckt sich nahezu zusammenhängend westlich von Château Lafite Rothschild. Der Milon-Hügel bildet dabei die natürliche Fortsetzung des Plateaus der Carruades. Mehr als 100 Hektar Wald, Wiesen und Feuchtgebiete schließen an die Rebflächen an – eine im dicht mit Reben bepflanzten Médoc ungewöhnliche Umgebung.
Die Böden bestehen überwiegend aus sandigen Graves quartären Ursprungs. Der Anteil von Kies, Sand und Ton variiert deutlich von Parzelle zu Parzelle. Gerade die besten Lagen verbinden einen hohen Kiesanteil mit mindestens rund zehn Prozent Ton. Darunter findet sich Kalkstein.
Diese Unterschiede erklären einen Teil des eigenständigen Charakters von Duhart-Milon. Das Terroir ist etwas kühler als jenes von Lafite und liegt teilweise niedriger. Cabernet Sauvignon reift entsprechend langsam und behält Frische und Spannung. Aktuell sind 67 % des Weinbergs mit Cabernet Sauvignon und 33 % mit Merlot bepflanzt.
Cabernet Sauvignon gibt den Ton an
Auch wenn der Cabernet-Anteil im Weinberg bei rund zwei Dritteln liegt, fällt sein Anteil im Grand Vin häufig deutlich höher aus. In vielen Jahrgängen bildet Cabernet Sauvignon drei Viertel oder mehr der Cuvée, in einzelnen Jahren kann sein Anteil über 80 % steigen.
Das erklärt die klassische Pauillac-Aromatik von Château Duhart-Milon: Cassis und dunkle Beeren verbinden sich mit Grafit, Zedernholz, Tabak und einer erdigen Würze. Merlot rundet die Struktur ab und sorgt für saftigere Frucht und eine geschmeidigere Textur.
Früher konnte Duhart-Milon in seiner Jugend ausgesprochen streng wirken. Die Tannine verlangten Zeit, und die Weine öffneten sich häufig erst nach längerer Flaschenreife. Genau an diesem Punkt hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Präzisere Arbeit im Weinberg, eine differenziertere Parzellenauswahl und modernisierte Kellertechnik haben die Textur verfeinert. Kellermeister Alexandre Fautrier beschreibt das heutige Ziel entsprechend als Verbindung von früherer Zugänglichkeit und unverändertem Reifepotenzial.
Präzision statt Pauillac-Strenge
Diese Entwicklung bedeutet keine Abkehr vom klassischen Médoc-Stil. Duhart-Milon bleibt ein Cabernet-geprägter Pauillac mit Struktur und ausgeprägter Fähigkeit zur Flaschenreife. Die Tannine sind heute jedoch feiner, die Frucht wirkt klarer und der Wein besitzt bereits in jüngeren Jahren mehr Balance.
Der Grand Vin reift traditionell im Barrique, wobei der Anteil neuer Eiche je nach Jahrgang angepasst wird. Das Holz soll Struktur und Würze geben, ohne den Charakter der Graves zu überdecken.
Parallel wurde der Keller im Zentrum von Pauillac umfassend modernisiert. Anders als viele berühmte Weingüter des Médoc besitzt Duhart-Milon kein repräsentatives Château mitten in den Weinbergen. Die Kellerei befindet sich im Ort Pauillac, nur wenige Schritte von den Kais der Gironde entfernt. Sie wurde zuletzt funktionaler und energieeffizienter gestaltet und ist inzwischen auch für Besucher geöffnet.
Moulin de Duhart und Le Blanc de Duhart-Milon
Neben dem Grand Vin entsteht "Moulin de Duhart". Der Zweitwein wird aus denselben Weinbergen selektiert, wobei im Allgemeinen jüngere Reben berücksichtigt werden. Seine Fassreife ist kürzer, sodass er früher zugänglich ist. Der Name erinnert an eine Mühle, die früher auf dem Plateau der Carruades unmittelbar neben den Weinbergen von Duhart-Milon stand.
Inzwischen besitzt das Weingut noch eine weitere Facette: "Le Blanc de Duhart-Milon". Damit reiht sich Duhart in jene Pauillac-Châteaus ein, die außerhalb der Rotwein-Appellation kleine Mengen Weißwein erzeugen. Die Trauben stammen aus eigenen Weinbergen; der Wein wird als Bordeaux Blanc vermarktet. Der Jahrgang 2025 bestätigte nach Angaben des Guts besonders das Potenzial des Sémillon.
Duhart-Milon und der neue Blick auf den Weinberg
Die Veränderungen der vergangenen Jahre betreffen nicht nur den Keller. Im Weinberg wird intensiv daran gearbeitet, die einzelnen Parzellen präziser auf Boden und klimatische Bedingungen abzustimmen. Reihenrichtung, Pflanzdichte, Unterlagsreben, Rebschnitt und Begrünung werden differenziert betrachtet. Gerade vor dem Hintergrund wärmerer und trockenerer Vegetationsperioden gewinnt diese Arbeit zunehmend an Bedeutung.
Hinzu kommt die außergewöhnliche Umgebung des Weinbergs mit mehr als 100 Hektar Wald, Wiesen und Feuchtflächen. Im Dezember 2023 erhielt Château Duhart-Milon die B-Corp-Zertifizierung. Das Château verbindet damit die qualitative Weiterentwicklung mit einem umfassenderen ökologischen Ansatz.
Rothschild-Pauillac abseits von Lafite
Die Nähe zu Château Lafite Rothschild war für Duhart-Milon über Jahrzehnte Fluch und Segen zugleich. Einerseits profitiert das Weingut vom Know-how und den langfristigen Investitionen der Domaines Barons de Rothschild Lafite. Andererseits stand es fast zwangsläufig im Schatten eines der berühmtesten Weine der Welt.
Aber es lohnt sich, Château Duhart-Milon eigenständig zu betrachten. Das Terroir ist anders, die Exposition kühler und der Charakter traditionell etwas robuster. Die moderne Entwicklung zielt nicht darauf, daraus einen zweiten Lafite zu machen, sondern diese Eigenheiten präziser herauszuarbeiten. Das Ergebnis sind klassische Weine aus Bordeaux mit klarer Rothschild-Handschrift: Cabernet-geprägt, langlebig und präzise, zugleich heute deutlich geschmeidiger als noch vor einigen Jahrzehnten.
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