Château l'Évangile

Château l'Évangile

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Château L’Évangile in Pomerol: Weine aus Bordeaux mit Merlot & Cabernet Franc – terroirbetont, präzise und biologisch erzeugt.


    Über das Weingut

    Château L’Évangile – Pomerol zwischen Pétrus und Cheval Blanc 

    Château L’Évangile besitzt eine der privilegiertesten Lagen in Pomerol. Im Norden grenzen seine Weinberge unmittelbar an Château Pétrus, im Süden trennt nur eine kleine Straße das Gut von Cheval Blanc in Saint-Émilion. Dazwischen liegen 22 Hektar mit einer außergewöhnlichen Kombination aus Lehm und Kies. Merlot liefert Fülle und Intensität, der zunehmend wichtige Cabernet Franc Frische und aromatische Präzision. Seit 1990 gehört L’Évangile zu den Domaines Barons de Rothschild Lafite. Unter deren Führung hat sich das traditionsreiche Château behutsam verändert – im Keller ebenso wie im Weinberg. Heute zählt es zu den interessantesten Beispielen dafür, wie sich große Weine aus Bordeaux mit biologischem und biodynamischem Weinbau weiterentwickeln können. 

    Von Fazilleau zu L’Évangile 

    Die Geschichte des Weinguts reicht weit zurück. Die aus Libourne stammende Familie Léglise spielte im 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Weinbaus in Pomerol. Bereits 1719 erwarb sie den Besitz von den Schwestern Pipaud. Auf dem Kataster von 1741 erscheint das heutige Château L’Évangile noch unter dem Namen Fazilleau. 

    Um 1800 gelangte das damals rund 13 Hektar große Gut an den Anwalt Isambert, der ihm schließlich den Namen L’Évangile gab. 1862 kaufte Paul Chaperon den Besitz. Unter ihm gewann das Château deutlich an Reputation; auch das heutige Wohnhaus im Stil des Second Empire entstand in dieser Epoche. Bereits 1868 wurde L’Évangile im Cocks & Féret als „Premier Cru du Haut-Pomerol“ geführt – keine offizielle Klassifikation, denn eine solche gibt es in Pomerol bis heute nicht, aber ein Hinweis auf den damaligen Ruf des Weinguts.  

    Die Nachfahren Chaperons, die Familie Ducasse, blieben bis 1990 Eigentümer. Insbesondere Simone Ducasse bewahrte den klassischen Charakter des Weins und ging bei Veränderungen ausgesprochen vorsichtig vor. 

    Bordeaux Region

    Seit 1990 bei Domaines Barons de Rothschild Lafite 

    1990 entschied sich Simone Ducasse für Baron Éric de Rothschild als Nachfolger. Seitdem gehört Château L’Évangile zu den Domaines Barons de Rothschild Lafite, zu denen unter anderem Château Lafite Rothschild und Duhart-Milon in Pauillac sowie Château Rieussec in Sauternes gehören.  

    Unter Rothschild wurde der Besitz kontinuierlich weiterentwickelt. Zusätzliche Parzellen vergrößerten den Weinberg, Entwässerung und Bodenbearbeitung wurden verbessert und der Keller modernisiert. Seit 2020 steht Juliette Couderc an der Spitze des Weinguts. Die Domaines Barons de Rothschild Lafite wiederum werden heute in sechster Generation von Saskia de Rothschild geprägt. 

    Dabei blieb L’Évangile immer ein eigenständiges Château. Ziel ist nicht, die Stilistik von Lafite auf Pomerol zu übertragen, sondern die Besonderheiten dieses außergewöhnlichen Terroirs möglichst präzise herauszuarbeiten. 

    22 Hektar zwischen Pétrus und Cheval Blanc 

    Die 22 Hektar verteilen sich auf 43 einzelne Parzellen im Südosten von Pomerol. Geologisch lassen sich drei wesentliche Bodenformationen unterscheiden. Auf den höchsten Bereichen des Plateaus finden sich schwere, quellfähige Tonböden. Hinzu kommen kiesig-lehmige und kiesig-sandige Bereiche sowie stärker sandgeprägte Böden in den tieferen Teilen des Besitzes.  

    Vor allem die Kombination aus Kies und Lehm prägt L’Évangile. Der Kies sorgt für Drainage und Wärme, während der schwere Ton Wasser speichert und Merlot auch in trockenen Jahren relativ gleichmäßig versorgen kann. Diese Verbindung ermöglicht die für das Château typische Kombination aus reifer, konzentrierter Frucht und Frische. 

    Dass unmittelbar nördlich Pétrus liegt und auf der anderen Seite der Straße bereits die Weinberge von Cheval Blanc beginnen, verdeutlicht die besondere Position: L’Évangile befindet sich genau in jenem Übergangsbereich, in dem die großen Lehmterroirs Pomerols auf die kiesreicheren Böden Richtung Saint-Émilion treffen. 

    Merlot und immer mehr Cabernet Franc 

    Der Weinberg ist aktuell mit 79 % Merlot, 20 % Cabernet Franc und 1 % Cabernet Sauvignon bepflanzt. Merlot bleibt damit die Grundlage von Château L’Évangile. Er liefert Pflaume, Schwarzkirsche und dunkle Beeren, vor allem aber jene dichte, seidige Textur, die große Pomerols auszeichnet. Der Cabernet Franc gewinnt jedoch zunehmend an Bedeutung. Die Sorte bringt florale und würzige Noten, Frische und eine straffere Struktur. 

    Gerade angesichts wärmerer Jahrgänge ist Cabernet Franc für das Château interessant. Die Sorte kann Frische bewahren und dem Merlot zusätzliche Spannung verleihen. In einzelnen jüngeren Jahrgängen fiel sein Anteil an der endgültigen Assemblage deshalb deutlich höher aus, als es die Verteilung im gesamten Weinberg erwarten lässt. Beim Jahrgang 2024 gehörten gerade die Cabernet-Franc-Partien zu den überzeugendsten Bausteinen der Cuvée.  

    Vom klassischen Barrique zu Fuder, Amphore und Beton 

    Auch im Keller hat sich L’Évangile weiterentwickelt. Lange Zeit spielte neues Eichenholz die wichtigste Rolle. Der Grand Vin wurde nach der parzellenweisen Vinifikation traditionell rund 18 Monate ausgebaut, mit einem hohen Anteil neuer Barriques. 

    Heute wird wesentlich differenzierter gearbeitet. Neben Barriques kommen Foudres, Amphoren und Betonbehälter zum Einsatz. Welcher Behälter gewählt wird, hängt vom Charakter der jeweiligen Parzelle und des Jahrgangs ab.  

    Das verändert auch die Stilistik. Die früher häufig sehr opulente, vom Ausbau geprägte Seite ist zurückhaltender geworden. Im Vordergrund stehen Frucht, Textur und die Unterschiede zwischen den einzelnen Böden. Die Kraft des Merlot bleibt erhalten, wirkt aber zunehmend von Frische und feineren Tanninen eingerahmt. 

    L’Évangile ist deshalb auch in jungen Jahren zugänglicher geworden, ohne sein beträchtliches Reifepotenzial zu verlieren. Reife Jahrgänge entwickeln neben dunkler Frucht komplexe Noten von Trüffel, Tabak, Gewürzen und Erde. 

    Trauben der Rebsorte Montepulciano

    Blason de L’Évangile 

    Der Zweitwein "Blason de L’Évangile" besitzt eine längere Geschichte, als häufig angenommen wird. Bereits 1989 entstand eine erste kleine Menge. Später wurde "Blason" als fester Bestandteil der Produktion etabliert. Er stammt unter anderem aus jüngeren Reben und aus Parzellen, deren Böden stärker von Sand geprägt sind. Cabernet Franc kann hier eine größere Rolle spielen. Der Ausbau im Barrique fällt kürzer aus als beim Grand Vin, sodass "Blason de L’Évangile" früher zugänglich ist. 

    Dabei versteht das Château den "Blason" nicht lediglich als deklassierte Partie des Erstweins. Die unterschiedlichen Terroirs und die gezielte Auswahl der Parzellen geben ihm ein eigenes Profil: mehr unmittelbare Frucht und eine weichere Struktur, aber weiterhin klar erkennbar Pomerol. 

    Biologisch und biodynamisch im Weinberg 

    Besonders konsequent hat sich L’Évangile im Weinberg verändert. Heute ist es das erste Gut innerhalb der Domaines Barons de Rothschild Lafite, dessen gesamter Weinberg biologisch bewirtschaftet wird. Gleichzeitig arbeitet das Team intensiv mit biodynamischen Methoden. Nach Angaben des Hauses werden die biodynamischen Präparate seit 2017/2018 auf der gesamten entsprechend bewirtschafteten Rebfläche eingesetzt.  

    L’Évangile dient innerhalb der Rothschild-Gruppe zugleich als Versuchsfeld für Anpassungen an den Klimawandel. Später Rebschnitt in frostgefährdeten Parzellen, eine angepasste Laubwand und Versuche mit biodynamischen Präparaten sollen helfen, mit Hitze, Trockenheit und Wetterextremen umzugehen. Seit Dezember 2023 ist das Château außerdem B-Corp-zertifiziert.  

    Pomerol zwischen Kraft und Finesse 

    Château L’Évangile besitzt die Fülle, die man von einem großen Merlot-dominierten Pomerol erwartet. Doch seine besondere Qualität liegt im Zusammenspiel verschiedener Böden. Der Lehm gibt Kraft, Dichte und dunkle Frucht, während die kiesreichen Partien für Frische, Duft und eine feinere Textur sorgen. 

    Mit dem zunehmenden Anteil von Cabernet Franc und einer zurückhaltenderen Verwendung neuer Eiche hat sich dieses Spannungsverhältnis in den vergangenen Jahren noch deutlicher herausgebildet. Die Weine wirken präziser und weniger vom Ausbau bestimmt, ohne ihre typische Großzügigkeit zu verlieren. 

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