Château Kirwan

Château Kirwan

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Château Kirwan aus Margaux: Weine aus Bordeaux mit Cabernet, Merlot und Petit Verdot – 1855 klassifiziert, fein und terroirgeprägt.


    Über das Weingut

    Château Kirwan – zurück zur Finesse von Margaux 

    Château Kirwan gehört seit 1855 als 3ème Grand Cru Classé zur historischen Spitze von Margaux. Doch die Geschichte des Weinguts verlief nicht sonderlich geradlinig. Auf Phasen großer Reputation folgten stilistische Veränderungen, und noch um die Jahrtausendwende stand Kirwan für einen vergleichsweise kraftvollen, reifen, konzentrierten Margaux. Seit Philippe Delfaut 2007 die Leitung übernommen hat, rückten Terroir, Frische und Finesse wieder stärker in den Mittelpunkt. Heute entstehen auf 37 Hektar Weine aus Bordeaux, die Cabernet-geprägte Struktur mit der floralen Eleganz von Margaux verbinden.

    Vom irischen Kaufmann zum Grand Cru Classé 

    Seinen Namen verdankt das Château Mark Kirwan, einem aus Galway stammenden irischen Kaufmann, der sich im 18. Jahrhundert in Bordeaux niederließ. Durch seine Heirat mit der Tochter des Négociants Sir John Collingwood kam er in den Besitz des damaligen Domaine de Lassalle, vergrößerte das Gut und gab ihm seinen Namen. 1855 wurde Château Kirwan als "3ème Grand Cru Classé" eingestuft.  

    Im selben Jahr übernahm Camille Godard das Anwesen. Der Politiker und Botaniker, der auch den Parc Bordelais gestaltete, ließ das Château restaurieren und schuf den Park, der es bis heute umgibt. 

    Seit 1926 befindet sich Kirwan im Besitz der Familie Schÿler. Ihre Geschichte in Bordeaux reicht wesentlich weiter zurück: 1739 ließ sich Jean-Henri Schÿler als Kaufmann in der Stadt nieder. Daraus entwickelte sich das Handelshaus Schröder & Schÿler, das bis heute im Bordeaux-Weinhandel tätig ist. Bereits 1902 hatte Armand Schÿler einen Vertrag über den Kauf der zukünftigen Ernten Kirwans geschlossen, bevor die Familie schließlich das Château übernahm.  

    Kaufmannstradition und Familienbesitz 

    Kirwan ist das einzige Weingut der Familie Schÿler. Die Verbindung von Château und Négoce gehört deshalb seit fast einem Jahrhundert zur Identität des Hauses. Heute wird diese Familientradition von der nächsten Generation fortgeführt. 

    Eine amüsante Folge dieser Kaufmannsmentalität zeigt sich im eigenen Keller: Von älteren Jahrgängen sind dort wenige Flaschen vorhanden. Über Jahrzehnte wurde der Wein eben nicht gesammelt, sondern verkauft. 

    Seit 2007 trägt Philippe Delfaut die operative Verantwortung. Zuvor hatte er elf Jahre beim benachbarten Château Palmer gearbeitet. Éric Boissenot begleitet Kirwan ebenfalls seit 2007 als beratender Önologe.  

    37 Hektar auf dem Plateau von Cantenac 

    Die 37 Hektar von Château Kirwan liegen auf dem Plateau von Cantenac und verteilen sich auf 35 Parzellen. Pyrenäen-Graves bilden das Fundament, durchsetzt mit unterschiedlich starken Ton- und Sandanteilen. Die Kiesauflagen reichen stellenweise rund fünf Meter tief.  

    Eine der ersten Maßnahmen Delfauts war eine detaillierte Untersuchung der Böden. Dabei wurden 29 unterschiedliche Bodentypen identifiziert. Der Weinberg konnte dadurch wesentlich genauer in Mikroparzellen gegliedert werden. Rebsorte, Bewirtschaftung, Lesezeitpunkt und Vinifikation werden seitdem stärker an die jeweiligen Bedingungen angepasst. 

    Die kiesreichen Partien sind besonders für Cabernet Sauvignon geeignet, während Merlot auf den stärker von Ton geprägten Böden Fülle und Geschmeidigkeit entwickelt. Genau dieses Zusammenspiel prägt den Stil von Kirwan. 

    Cabernet Sauvignon gibt die Richtung vor 

    Die aktuelle Bestockung liegt bei 47 % Cabernet Sauvignon, 34 % Merlot, 10 % Cabernet Franc, 8 % Petit Verdot und einem kleinen Anteil Carménère. Die Reben sind durchschnittlich rund 30 Jahre alt und stehen mit etwa 10.000 Pflanzen pro Hektar ausgesprochen dicht.  

    Für den "Château Kirwan" werden vor allem die kies- und tongeprägten Spitzenparzellen ausgewählt. Cabernet Sauvignon bildet entsprechend häufig den größten Anteil der Assemblage. Er bringt Cassis, Grafit, Struktur und Länge. Merlot sorgt für Volumen und dunkle Frucht, Cabernet Franc für florale und würzige Akzente und Petit Verdot für zusätzliche Farbe und Spannung. 

    Der Zweitwein "Charmes de Kirwan" stammt dagegen stärker aus leichteren, sandigeren Bereichen und ist entsprechend früher zugänglich. 

    Abschied vom kraftvollen Stil 

    In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren entwickelte sich Kirwan stilistisch in eine deutlich reifere und kraftvollere Richtung. Michel Rolland beriet das Weingut von 1991 bis 2005 und hat die "Parkerisierung" des Weines vorangetrieben. Die Trauben wurden spät gelesen, die Weine waren konzentriert und üppig – ein Stil, der Kirwan zeitweise den Vorwurf einbrachte, sich von der klassischen Finesse von Margaux entfernt zu haben. 

    Mit Philippe Delfaut änderte sich die Richtung. Die detaillierte Bodenanalyse war dafür ebenso entscheidend wie frühere Lesezeitpunkte und eine präzisere Zuordnung der einzelnen Partien. Heute beschreibt das Château selbst Frische und Klarheit der Frucht als wesentliche Merkmale seiner Weine.  

    Die Entwicklung lässt sich gut an Jahrgängen wie 2014, 2015 und 2018 nachvollziehen. Konzentration bleibt vorhanden, doch sie wird von feineren Tanninen, frischerer Frucht und einer stärker ausgeprägten floralen Aromatik begleitet. 

    Neuer Keller für 35 Parzellen 

    Die zunehmende Präzision im Weinberg erforderte entsprechende Möglichkeiten im Keller. Deshalb wurden Cuvier und Chai zur Lese 2015 grundlegend erneuert. Heute stehen 37 maßgefertigte, tulpenförmige Betontanks zur Verfügung. Sie ermöglichen es, die einzelnen Parzellen getrennt und in kleinen Mengen zu vinifizieren. Ein Großteil der Arbeit erfolgt über Schwerkraft, wodurch Pumpvorgänge und mechanische Belastungen reduziert werden können.  

    Auch bei der Extraktion geht es heute weniger um maximale Kraft als um Textur und Balance. Die Assemblage erfolgt gemeinsam mit Éric Boissenot. Anschließend reift Château Kirwan je nach Jahrgang etwa 18 bis 21 Monate in französischen Barriques. Der Anteil neuen Holzes wird an den jeweiligen Jahrgang angepasst.  

    Château Kirwan und Charmes de Kirwan 

    Etwa die Hälfte der Produktion entfällt traditionell auf den Grand Vin, die andere auf "Charmes de Kirwan", wobei die Mengen je nach Jahrgang variieren. Entscheidend ist dabei nicht allein das Alter der Reben, sondern vor allem die Herkunft der Partien. 

    "Château Kirwan" stammt überwiegend von den kies- und tonreichen Böden des Plateaus und besitzt entsprechend mehr Struktur und Tiefe. "Charmes de Kirwan" wird stärker von sandigeren Parzellen geprägt und zeigt sich früher offen und zugänglich. 

    Margaux mit neuer Präzision 

    Kirwan ist heute wieder deutlich näher an jener Stilistik, die mit Margaux verbunden wird. Schwarze Johannisbeere und dunkle Kirsche treffen auf Veilchen, Gewürze und Grafit. Das Tannin ist präsent, aber feinkörnig und zunehmend seidig. Mit Flaschenreife entwickeln sich Zedernholz, Tabak und erdige Noten.

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