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Über das Weingut
Château Fleur Cardinale – Grand Cru Classé auf dem Kalkplateau von Saint-Émilion
Château Fleur Cardinale hat innerhalb kurzer Zeit einen deutlichen qualitativen Aufstieg vollzogen. Als Dominique und Florence Decoster das Château 2001 übernahmen, kamen sie aus einer völlig anderen Branche: Drei Jahrzehnte lang hatten sie in Limoges in der Porzellanindustrie gearbeitet. Nur fünf Jahre nach ihrem Einstieg wurde der "Fleur Cardinale" 2006 zum Grand Cru Classé erhoben. 2012 wurde die Einstufung bestätigt, ebenso in der aktuellen Klassifikation von 2022. Heute umfasst das Weingut 27,6 Hektar auf den kühleren Höhen von Saint-Étienne-de-Lisse und verbindet reife Merlot-Frucht mit der Frische von Cabernet Franc und dem kalkgeprägten Terroir des östlichen Saint-Émilion.
Von Limoges nach Saint-Émilion
Dominique und Florence Decoster hatten rund 30 Jahre in der Porzellanbranche in Limoges verbracht, bevor sie 2001 Château Fleur Cardinale erwarben. Der Kauf bedeutete keine reine Investition: Beide zogen auf das Château und widmeten sich fortan unmittelbar dem Weinbau. Inzwischen ist die nächste Generation fest eingebunden. Sohn Ludovic und seine Frau Caroline gehören zum Kern des Familienbetriebs, auch die weiteren Kinder sind am Besitz beteiligt. Aus dem ursprünglichen Familienprojekt ist damit ein generationsübergreifend geführtes Weingut geworden.
Die Entwicklung verlief schnell. Umfangreiche Arbeiten in Weinberg und Keller, eine präzisere Parzellierung und niedrigere Erträge verbesserten die Qualität deutlich. Bereits 2006 wurde Fleur Cardinale in die Klassifikation von Saint-Émilion aufgenommen. Die Bestätigung als Grand Cru Classé in der Klassifikation von 2022 zeigt, dass der Aufstieg dauerhaft war.
Saint-Étienne-de-Lisse: die kühlere Seite von Saint-Émilion
Fleur Cardinale liegt in Saint-Étienne-de-Lisse, östlich des historischen Zentrums von Saint-Émilion. Das Château befindet sich damit nicht auf dem berühmten Kalkplateau unmittelbar um die Stadt, sondern in dessen östlicher Fortsetzung. Die Weinberge erreichen Höhen von rund 75 Metern und sind von Lehm und Kalk geprägt. Besonders wichtig ist die Molasse du Fronsadais, hinzu kommen Bereiche mit härterem Astéries-Kalkstein. Der hohe Lehmanteil speichert Wasser und versorgt die Reben auch während trockener Vegetationsperioden relativ gleichmäßig.
Zugleich ist das Mikroklima hier etwas kühler als in zentraleren Teilen von Saint-Émilion. Die Trauben reifen langsam, und Fleur Cardinale gehört regelmäßig zu den später lesenden Gütern der Appellation. Das kommt insbesondere dem Merlot zugute: Er erreicht volle physiologische Reife, ohne zwangsläufig seine Frische zu verlieren. Die Vielzahl unterschiedlicher Parzellen führt dazu, dass sich die Lese häufig über mehrere Wochen erstreckt. Jede Partie kann entsprechend ihrem Boden, ihrer Exposition und dem Reifeverlauf geerntet werden.
Merlot bleibt die Basis
Aktuell sind die 27,6 Hektar zu 74 % mit Merlot, 18 % mit Cabernet Franc und 8 % mit Cabernet Sauvignon bepflanzt. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei rund 30 Jahren. Merlot bildet damit weiterhin das Zentrum des Rotweins. Auf den lehmreichen Böden entwickelt die Sorte dunkle Kirsch- und Pflaumenfrucht, Volumen und eine dichte Textur. Cabernet Franc bringt florale und kräutrige Nuancen sowie zusätzliche Frische, während Cabernet Sauvignon Struktur und Länge ergänzt.
Vor allem der größere Stellenwert der beiden Cabernet-Sorten ist für die langfristige Entwicklung des Château interessant. Die Familie hat deren Anteil im Weinberg gezielt erhöht. In wärmeren Jahrgängen können Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon dazu beitragen, die Balance zwischen Reife, Frische und Tannin zu bewahren.
Präzise Selektion vom Weinberg bis zum Fass
Fleur Cardinale hat früh großen Wert auf eine sehr genaue Selektion gelegt. Die Trauben werden von Hand gelesen und mehrfach sortiert. Klein dimensionierte Gärbehälter ermöglichen es, die zahlreichen Parzellen separat auszubauen. Die Vinifikation war traditionell auf eine reife, konzentrierte Stilistik ausgerichtet. Kaltmazeration vor der Gärung, sorgfältige Extraktion und ein hoher Anteil neuer Barriques gehörten lange zur Handschrift des Château.
Inzwischen ist der Umgang mit Holz und Extraktion differenzierter geworden. Die Familie investierte in einen neuen Gärkeller, einen neuen Fasskeller und zusätzliche Möglichkeiten für Mikrovinifikationen. Neben klassischen Barriques können kleinere Partien beispielsweise in Amphoren oder anderen neutraleren Behältern ausgebaut werden.
Ein entscheidender Schritt erfolgte bereits 2013. Seitdem wird die endgültige Assemblage bewusst spät festgelegt. Jede Parzelle wird zunächst so behandelt, als könne sie Bestandteil des Grand Vin werden. Erst während beziehungsweise gegen Ende des Ausbaus entscheidet das Team, welche Fässer tatsächlich Château Fleur Cardinale bilden. Das erlaubt eine strengere Auswahl und verhindert, dass eine früh getroffene Assemblage die weitere Entwicklung einzelner Partien festlegt.
Vom kraftvollen zum präziseren Saint-Émilion
Stilistisch gehörte Fleur Cardinale lange zu den eher kraftvollen Vertretern des modernen Saint-Émilion. Reife Merlot-Frucht, niedrige Erträge, intensive Selektion und ein deutlicher Holzeinsatz sorgten für konzentrierte, dunkelfruchtige Rotweine mit viel Struktur.
Diese Grundidee ist weiterhin erkennbar, doch die Stilistik hat sich verfeinert. Frische, Textur und die Unterschiede zwischen den Parzellen spielen heute eine größere Rolle. Das Holz soll die Struktur unterstützen, ohne Frucht und Terroir zu dominieren.
Typisch sind Schwarzkirsche, Brombeere und Pflaume, dazu Veilchen, Gewürze und mineralisch-kalkige Noten. In jungen Jahren besitzt der Wein durchaus Kraft und Substanz, die Tannine wirken jedoch zunehmend feinkörniger. Cabernet Franc bringt zusätzliche Spannung und verhindert, dass die reife Merlot-Frucht zu breit erscheint. Damit bleibt "Fleur Cardinale" ein substanzreicher Saint-Émilion, verbindet diese Fülle heute aber stärker mit Frische und Präzision.
Bois Cardinale und die strengere Selektion
Die späte Assemblage machte zugleich einen Zweitwein sinnvoller. "Bois Cardinale" entsteht in kleinen Mengen aus Partien, die nicht in den Grand Vin eingehen. Er wird damit nicht einfach nach einem festen Schema aus jungen Reben erzeugt, sondern ist Teil des Selektionsprozesses.
Der Ansatz unterstreicht den Anspruch, möglichst jede Parzelle zunächst auf Grand-Cru-Classé-Niveau zu bewirtschaften und erst später über ihre endgültige Verwendung zu entscheiden.
Daneben besitzt die Familie mit "Croix Cardinale" einen weiteren Weinbergsbesitz in unmittelbarer Nachbarschaft. Dieser ist jedoch als eigenständiges Weingut zu betrachten und nicht mit dem Zweitwein "Bois Cardinale" zu verwechseln.
Nachhaltigkeit und biologische Umstellung
Auch die Bewirtschaftung der Weinberge hat sich verändert. Fleur Cardinale verfügt über mehrere Umweltzertifizierungen, darunter Haute Valeur Environnementale und ISO 14001. Hinzu kommt die Bee-Friendly-Zertifizierung. Die aktuellen Angaben des Conseil des Vins de Saint-Émilion führen das Château zudem in der Umstellung auf biologischen Weinbau.
Vom Aufsteiger zum etablierten Grand Cru Classé
Die Entwicklung von Château Fleur Cardinale seit 2001 gehört zu den bemerkenswerten Geschichten des modernen Saint-Émilion. Innerhalb weniger Jahre führte die Familie Decoster das Gut in die Klassifikation, doch entscheidender ist die anschließende Kontinuität. Die Bestätigung als Grand Cru Classé 2012 und erneut 2022 zeigt, dass Fleur Cardinale seinen Platz inzwischen gefestigt hat.
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