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Über das Weingut
Château du Tertre – Margaux von einer der höchsten Kiesterrassen
Château du Tertre gehört zu den traditionsreichen Grand Cru Classés des Médoc. Als 5ème Grand Cru Classé liegt das Weingut in Arsac im Westen der Appellation Margaux, auf einer der höchsten Kieskuppen der Region. Der zusammenhängende Weinberg bietet beste Voraussetzungen für Cabernet Sauvignon, der heute klar die wichtigste Rebsorte des Château ist. Ergänzt wird er durch Merlot, Petit Verdot und Cabernet Franc. Stilistisch steht Château du Tertre für die feinere Seite des Médoc: dunkle Frucht, florale und würzige Noten, Frische und seidiges Tannin statt massiver Konzentration.
Pierre Mitchell und die Anfänge von Château du Tertre
Die Geschichte von Château du Tertre ist eng mit Pierre Mitchell verbunden. Der aus Irland stammende Unternehmer ließ sich in Bordeaux nieder und gründete dort im 18. Jahrhundert eine bedeutende Glasmanufaktur. In einer Zeit, in der der Flaschenhandel für hochwertige Weine zunehmend an Bedeutung gewann, war das eine wichtige Verbindung zwischen Weinbau und Glasherstellung. Mitchell erwarb Land in Arsac und ließ Château du Tertre errichten.
Später wechselte das Gut mehrfach den Besitzer. Zu ihnen gehörte im 19. Jahrhundert die wohlhabende Bankiersfamilie Koenigswarter, die zum Umfeld Napoleons III. zählte. Bei der berühmten Bordeaux-Klassifikation von 1855 wurde Château du Tertre als 5ème Grand Cru Classé eingestuft. An diesem Status hat sich bis heute nichts geändert.
Bemerkenswert ist zudem, dass der historische Weinbergsbesitz weitgehend zusammenhängend erhalten geblieben ist. Das unterscheidet Château du Tertre von vielen anderen Gütern des Médoc, deren Parzellen im Laufe der Zeit durch Erbschaften, Verkäufe und Zukäufe stärker verändert wurden.
Wiederaufstieg unter Eric Albada Jelgersma
Eine entscheidende Phase begann 1997 mit dem Erwerb durch den niederländischen Unternehmer Eric Albada Jelgersma. Die Weinberge waren zuvor über längere Zeit nicht konsequent erneuert worden, sodass umfangreiche Investitionen notwendig waren. Parzellen wurden neu bepflanzt, die Pflanzdichte erhöht und Keller sowie technische Anlagen modernisiert.
Albada Jelgersma besaß mit Château Giscours ein weiteres bedeutendes Weingut in Margaux. Dennoch entwickelte sich Château du Tertre keineswegs zu einer kleineren Version von Giscours. Die beiden Güter zeigen unterschiedliche Terroirs und entsprechend unterschiedliche Stile. Du Tertre wurde zunehmend auf Finesse, Duft und eine geschmeidige Textur ausgerichtet.
Nach dem Tod Eric Albada Jelgersmas 2018 führten zunächst seine Kinder das Gut weiter. Im März 2021 begann ein neues Kapitel: Seitdem wird Château du Tertre von der Familie Helfrich betrieben. Direktorin des Château ist heute Cynthia Capelaere.
52 Hektar auf Günz-Kies
Der Weinberg umfasst heute 52 Hektar und liegt auf einer markanten Anhöhe in Arsac. Die Böden bestehen vor allem aus alten Kies- und Sandablagerungen vom Typ Günz. Diese tiefgründigen Graves sind für Cabernet Sauvignon besonders geeignet. Sie entwässern schnell und speichern zugleich die Wärme des Tages, die während der Nacht langsam wieder abgegeben wird. Die Reben müssen tief wurzeln, um Wasser und Nährstoffe zu erschließen.
Die Höhenlage unterstützt zusätzlich die Frische der Weine. Château du Tertre besitzt damit ein Terroir, das einerseits eine vollständige Reife der Cabernet-Sorten ermöglicht, andererseits aber eine vergleichsweise kühle, aromatisch präzise Stilistik begünstigt.
Ein erheblicher Teil der Weinberge wurde seit Ende der 1990er-Jahre erneuert. Gleichzeitig sind ältere Parzellen erhalten geblieben. Die Pflanzdichten wurden bei Neuanlagen erhöht, um den Wettbewerb zwischen den Reben zu verstärken und kleinere, konzentriertere Trauben zu erhalten.
Cabernet Sauvignon übernimmt die Hauptrolle
Die Zusammensetzung des Weinbergs hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Aktuell nennt die Union des Grands Crus de Bordeaux 64 % Cabernet Sauvignon, 14 % Merlot, 12 % Petit Verdot und 10 % Cabernet Franc. Cabernet Sauvignon gibt dem Grand Vin entsprechend Struktur und Länge. Typisch sind schwarze Johannisbeere, Brombeere, Grafit und Zedernholz. Merlot bringt rundere Frucht und Geschmeidigkeit in die Cuvée.
Bemerkenswert bleiben die zusammen 22 % Cabernet Franc und Petit Verdot. Cabernet Franc trägt zu den floralen, kräutrigen und fein würzigen Nuancen bei, während Petit Verdot Farbe, Tannin und pfeffrige Würze liefern kann. Gerade diese Kombination unterscheidet Château du Tertre von vielen anderen Weinen aus Margaux.
Präzision im Keller
Auch die Vinifikation wurde über die vergangenen Jahrzehnte immer stärker auf die einzelnen Parzellen zugeschnitten. Für die Gärung stehen Behälter aus Edelstahl, Beton und Holz zur Verfügung. So kann das Team je nach Herkunft, Rebsorte und Charakter des Leseguts entscheiden, welche Art der Vinifikation am besten geeignet ist.
Der Grand Vin reift anschließend 15 bis 17 Monate im Barrique. Die aktuellen Angaben der Union des Grands Crus de Bordeaux nennen einen Anteil von rund 60 % neuen Fässern. Trotz dieses hohen Neuholzanteils steht nicht das Holz im Vordergrund. Ziel ist vielmehr eine feine Textur. Extraktion und Ausbau sollen die aromatische Seite des Cabernet Sauvignon bewahren und zugleich die Tannine polieren.
So entsteht ein Margaux, der Kraft besitzt, aber selten schwer wirkt. Cassis und dunkle Kirschen verbinden sich mit Veilchen, Kräutern, Zedernholz und häufig einer charakteristischen pfeffrigen Würze. Das Tannin ist präsent, bleibt aber feinkörnig und seidig.
Les Hauts du Tertre
Neben dem Grand Vin entsteht mit "Les Hauts du Tertre" ein Zweitwein. Er bietet einen früher zugänglichen Blick auf das Terroir des Château und wird stärker auf Frucht und Geschmeidigkeit ausgerichtet.
Die Trennung zwischen Grand Vin und Zweitwein erlaubt eine strengere Selektion für Château du Tertre. Gerade bei einem Besitz dieser Größe können Parzellen, Rebsorten und Fässer differenziert ausgewählt und erst relativ spät den einzelnen Cuvées zugeordnet werden.
Der Grand Vin bleibt damit den Partien vorbehalten, die ausreichend Tiefe, Struktur und Länge für die angestrebte Entwicklung auf der Flasche besitzen.
Tertre Blanc – eine ungewöhnliche weiße Cuvée
Eine ganz andere Seite des Weinguts zeigt "Tertre Blanc", der erstmals mit dem Jahrgang 2015 erzeugt wurde. Weißwein ist innerhalb der Appellation Margaux nicht vorgesehen, weshalb der Wein außerhalb der Margaux AOC vermarktet wird.
Bemerkenswert ist vor allem die ungewöhnliche Rebsortenzusammensetzung. Neben Sauvignon Blanc werden Chardonnay, Viognier und Gros Manseng verwendet – eine Kombination, die mit den klassischen weißen Bordeaux-Cuvées aus Sauvignon Blanc und Sémillon nur wenig gemeinsam hat.
Die Reben wachsen dennoch unmittelbar auf dem Besitz. Tertre Blanc ist damit kein zugekaufter Markenwein, sondern eine eigenständige Interpretation des Terroirs von Château du Tertre. Aromatische Frische, florale Noten und die Struktur des Gros Manseng ergeben einen Weißwein, der bewusst außerhalb der Bordeaux-Konventionen gedacht ist.
Margaux zwischen Finesse und Struktur
Château du Tertre wurde lange etwas weniger beachtet als die berühmtesten Grand Cru Classés von Margaux. Dabei besitzt das Château einige außergewöhnliche Voraussetzungen: einen großen zusammenhängenden Weinberg, eine exponierte Lage auf einer hohen Kieskuppe und einen Rebsortenspiegel, der neben Cabernet Sauvignon auch Cabernet Franc und Petit Verdot wichtigen Raum gibt.
Das prägt den Stil. Château du Tertre ist kein Margaux, der seine Qualität über maximale Konzentration demonstrieren muss. Die besten Jahrgänge verbinden dunkle Frucht mit Veilchen, Gewürzen, Grafit und weißem Pfeffer. Hinzu kommen eine lebendige Frische und jene seidige Tanninstruktur, die zu den klassischen Merkmalen der Appellation gehört.
Auch die Parker-Weine der vergangenen Jahre zeigen die qualitative Entwicklung des Château. Entscheidend ist jedoch weniger eine einzelne Bewertung als die stilistische Kontinuität: Die Weine besitzen genügend Substanz für eine längere Flaschenreife, ohne ihre Eleganz zugunsten von Kraft aufzugeben.
Château du Tertre heute
Mit dem Übergang an die Familie Helfrich 2021 hat für Château du Tertre eine weitere Phase begonnen. Die Grundlagen dafür wurden bereits während der gut zwei Jahrzehnte unter Eric Albada Jelgersma geschaffen: erneuerte Weinberge, höhere Pflanzdichten, eine präzisere Parzellierung und moderne Kellertechnik.
Heute steht Cabernet Sauvignon stärker im Zentrum als früher. Gleichzeitig sorgen Cabernet Franc und Petit Verdot dafür, dass Château du Tertre seinen eigenständigen Charakter innerhalb von Margaux bewahrt.
Unter den Weinen aus Bordeaux verbindet Château du Tertre damit auf überzeugende Weise die klassische Struktur des Médoc mit der besonderen Eleganz von Margaux. Der Grand Cru Classé von 1855 besitzt Frische, feines Tannin und aromatische Vielschichtigkeit – und ein Terroir, das sich auf seiner hohen Kieskuppe deutlich von vielen anderen Lagen der Appellation unterscheidet.
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