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Über das Weingut
Château d’Armailhac – Weine aus Bordeaux von Rothschild
Château d’Armailhac liegt unmittelbar neben Château Mouton Rothschild und gehört seit 1933 zur Familie des Barons Philippe de Rothschild. Das als Cinquième Grand Cru Classé eingestufte Weingut bewirtschaftet heute mehr als 80 Hektar auf vier Kieskuppen von Pauillac. Cabernet Sauvignon gibt dem Rotwein Struktur und Länge, ein vergleichsweise hoher Anteil Merlot sorgt für Frucht und Geschmeidigkeit. Hinzu kommt Cabernet Franc, der traditionell zur Identität von d’Armailhac gehört. Unter den Weinen aus Bordeaux von Rothschild besitzt das Château damit einen eigenständigen Stil: klassisch und langlebig, aber häufig früher zugänglich als die unmittelbar benachbarten Gewächse Mouton Rothschild und Clerc Milon.
Ein Cinquième Grand Cru Classé von 1855
Die Geschichte von Château d’Armailhac reicht weit zurück. Erste Spuren des Weinbaus auf dem heutigen Besitz stammen aus dem 14. Jahrhundert. Damals gehörten die Flächen noch zur Seigneurie de Mouton, einem riesigen feudalen Besitz von mehr als 2.000 Hektar. 1660 wurde das Gut unter der Familie d’Armailhacq selbstständig und erhielt deren Namen.
Eine zentrale Figur seiner Geschichte war Armand d’Armailhacq im 19. Jahrhundert. Er beschäftigte sich intensiv mit der Verbesserung des Weinbaus im Médoc und veröffentlichte 1831 eine Abhandlung über Rebsorten, Kultur und Vinifikation in der Region. Seine Arbeit fiel in eine Zeit, in der Cabernet Sauvignon im Médoc zunehmend an Bedeutung gewann.
Bei der Klassifikation von 1855 wurde das damalige Château Mouton-d’Armailhacq schließlich als Cinquième Grand Cru Classé eingestuft – ein Rang, den Château d’Armailhac bis heute trägt.
Seit 1933 bei Rothschild
1933 erwarb Baron Philippe de Rothschild das Weingut. Im selben Jahr wurde seine Tochter Philippine geboren, die Jahrzehnte später eine entscheidende Rolle in der Geschichte des Familienunternehmens spielen sollte. Kaum ein Bordeaux-Château hat im 20. Jahrhundert so häufig seinen Namen gewechselt. Ab dem Jahrgang 1934 hieß es Château Mouton Baron Philippe. 1975 wurde daraus Château Mouton Baronne Philippe, als Hommage an Baron Philippes zweite Frau Pauline. Erst 1989 entschied Baroness Philippine de Rothschild, dem Besitz seinen historischen Namen Château d’Armailhac zurückzugeben.
Seitdem trägt auch das Etikett wieder eine unverwechselbare Identität. Darauf ist eine kleine Figur aus gesponnenem Glas abgebildet, die zur Sammlung des Musée du Vin dans l’Art von Château Mouton Rothschild gehört. Heute wird Baron Philippe de Rothschild S.A. von der nächsten Generation der Familie geprägt: Philippe Sereys de Rothschild, Camille Sereys de Rothschild und Julien de Beaumarchais de Rothschild führen das Erbe ihrer Mutter Philippine fort.
Mehr als 80 Hektar in Pauillac
Der Weinberg von Château d’Armailhac grenzt im Norden unmittelbar an Château Mouton Rothschild. Heute umfasst er mehr als 80 Hektar und erstreckt sich über vier unterschiedliche Kieskuppen. Diese Vielfalt ist für den Charakter des Weins wichtig. Ein Teil der Flächen besteht aus tiefgründigem Kies, wie er für die großen Cabernet-Terroirs von Pauillac typisch ist. Andere Parzellen besitzen einen höheren Sandanteil oder Ton-Kalk-Komponenten. In tiefer gelegenen Bereichen tritt Ton stärker hervor und schafft besonders gute Voraussetzungen für Merlot.
Die unterschiedlichen Bodentypen ermöglichen es dem Team, die Rebsorten gezielt auf die jeweiligen Parzellen abzustimmen. Gleichzeitig reagieren die verschiedenen Böden unterschiedlich auf Hitze, Trockenheit und Niederschläge. Diese Diversität ist in zunehmend extremen Jahrgängen ein wichtiger Vorteil.
Cabernet Sauvignon und ein ungewöhnlich hoher Merlot-Anteil
Auch beim Rebsortenspiegel hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Heute sind die Weinberge zu 52 % mit Cabernet Sauvignon, zu 38 % mit Merlot, zu 8 % mit Cabernet Franc und zu 2 % mit Petit Verdot bepflanzt.
Der Cabernet Sauvignon bildet dabei das strukturelle Rückgrat. Er bringt Cassis, Grafit, Zedernholz und jene feste Tanninstruktur, die klassisch mit Pauillac verbunden wird. Der mit 38 % beträchtliche Merlot-Anteil unterscheidet Château d’Armailhac von einigen anderen bedeutenden Gütern der Appellation. Auf den tonreicheren Böden entwickelt Merlot eine saftige Frucht und rundere Textur, die dem fertigen Rotwein bereits in jüngeren Jahren Zugänglichkeit gibt.
Cabernet Franc besitzt zwar heute einen geringeren Anteil an der Rebfläche als früher, bleibt aber ein charakteristischer Bestandteil des Weins. Er trägt florale und würzige Aromen sowie zusätzliche Frische zur Assemblage bei. Das Château selbst bezeichnet seinen hohen Cabernet-Franc-Anteil ausdrücklich als ein historisches Merkmal des Cru.
Alte Reben als genetisches Erbe
Eine Besonderheit von d’Armailhac sind seine alten Rebanlagen. Einzelne Parzellen reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück und gehören damit zu den ältesten noch bewirtschafteten Beständen des Médoc. Sie stammen aus einer Zeit lange vor der modernen Klonselektion und besitzen deshalb eine große genetische Diversität. Dieses Pflanzenmaterial ist nicht nur historisch interessant, sondern dient dem Weingut auch als Reservoir für die langfristige Erhaltung seiner eigenen Rebenpopulation.
Die hohe Pflanzdichte ist klassisch für das Médoc. Die Konkurrenz zwischen den Rebstöcken zwingt die Wurzeln in die Tiefe und begrenzt gleichzeitig die Ertragsmenge pro Stock. Heute wird jede Parzelle entsprechend Boden, Rebsorte, Alter der Reben und den Bedingungen des jeweiligen Jahrgangs individuell bewirtschaftet. Begrünung und Getreideaussaat werden ebenso gezielt eingesetzt wie Kompost. Auch der Rebschnitt wird auf einen gleichmäßigen Saftfluss und eine möglichst lange Lebensdauer der Reben ausgerichtet.
Ein eigenes Team für d’Armailhac
Auch organisatorisch hat Château d’Armailhac inzwischen eine deutlich eigenständigere Position innerhalb der Rothschild-Gruppe als früher. Seit 2021 ist Lucie Lauilhé Direktorin des Weinguts. Kellermeister ist Cédric Marc, für die Weinberge ist Mathieu Maudet verantwortlich. Insgesamt arbeitet ein Team von rund 30 Personen ausschließlich für d’Armailhac.
Übergeordnet werden die technischen Kompetenzen der drei Pauillac-Châteaus der Familie – Mouton Rothschild, Clerc Milon und d’Armailhac – von Jean-Emmanuel Danjoy als Head Winemaker koordiniert. Damit profitiert d’Armailhac von den gemeinsamen Ressourcen der Gruppe, besitzt aber zugleich ein eigenes Team, das sich ausschließlich mit seinem Terroir beschäftigt.
Der neue Keller als Wendepunkt
Ein sichtbares Zeichen dieser stärkeren Eigenständigkeit ist der neue Keller. Mit dem Jahrgang 2021 begann für d’Armailhac eine neue Phase: Auf dem Gelände der früheren Anlagen entstanden ein neuer Gärkeller und ein neuer Fasskeller. Die Architektur orientiert sich bewusst an der traditionellen Bauweise von Pauillac. Gironde-Kalkstein und Holz dominieren, während sich dahinter moderne Technik verbirgt.
Für die Vinifikation stehen zahlreiche Tanks unterschiedlicher Größe zur Verfügung. Dadurch können die vielen Parzellen wesentlich präziser getrennt verarbeitet werden. Die von Hand gelesenen Trauben werden zunächst manuell sortiert, entrappt und anschließend nochmals optisch selektiert. Mobile Behälter bringen die Beeren anschließend ohne Pumpen durch Schwerkraft in die Tanks.
Extraktion, Remontage, Belüftung und Maischestandzeit werden für jede Partie individuell festgelegt. Es gibt damit kein starres Vinifikationsrezept: Boden, Rebsorte und Charakter des jeweiligen Jahrgangs bestimmen die Behandlung.
18 Monate Ausbau im Barrique
Die endgültige Assemblage erfolgt bereits im November nach der Lese. Anschließend reift Château d’Armailhac durchschnittlich 18 Monate in französischen Eichenfässern. Aktuell wird ungefähr zur Hälfte neues Holz verwendet, die andere Hälfte besteht aus einmal belegten Barriques. Parallel experimentiert das Team mit Amphoren und größeren Holzgebinden.
Während der Fassreife wird der Wein regelmäßig abgezogen. Vor der Abfüllung erfolgt traditionell eine Schönung mit Eiweiß. Der Ausbau zielt nicht auf maximale Konzentration. Vielmehr soll das Holz die Tanninstruktur abrunden, ohne Frucht, Graphitnoten und die unterschiedlichen Terroirs zu überdecken.
Eleganter Pauillac statt maximaler Kraft
Im Vergleich zum benachbarten Mouton Rothschild besitzt Château d’Armailhac traditionell einen etwas weniger massiven Charakter. Das ist nicht allein eine Frage der Selektion oder Vinifikation, sondern vor allem eine Folge der unterschiedlichen Böden. Sandigere Kiesflächen und tonreichere Parzellen bringen einen Wein hervor, dessen Tannin häufig früher zugänglich wirkt. Der hohe Merlot-Anteil verstärkt diesen Eindruck.
Typisch sind Cassis, Brombeere und dunkle Kirsche, dazu Grafit, Zedernholz, Tabak und Gewürze. Cabernet Franc kann florale und leicht kräuterwürzige Akzente hinzufügen. Die Tannine sind präsent, aber feinmaschig. Das Château selbst beschreibt seinen Stil als ‚eleganten Klassizismus‘: strukturiert und lagerfähig, aber gleichzeitig auch vergleichsweise jung zugänglich.
Damit besitzt d’Armailhac innerhalb der Weine aus Bordeaux von Rothschild eine klare Position. Mouton Rothschild steht für größere Konzentration und Tiefe, Clerc Milon häufig für besondere aromatische Komplexität, während d’Armailhac stärker über Balance, Frucht und geschmeidige Struktur funktioniert.
Ein Pauillac mit wachsendem Profil
Lange stand Château d’Armailhac im Schatten seines berühmten Nachbarn Mouton Rothschild. Die vergangenen Jahre zeigen jedoch, dass die Familie Rothschild dem Cinquième Grand Cru Classé zunehmend eine eigene Identität gibt.
Ein ausschließlich für das Château zuständiges Team, die parzellenweise Bewirtschaftung und der 2021 fertiggestellte Keller schaffen dafür die Voraussetzungen. Gleichzeitig bleiben die historischen Stärken erhalten: Alte Reben, unterschiedliche Kiesböden und eine Assemblage, in der neben Cabernet Sauvignon auch Merlot und Cabernet Franc eine wichtige Rolle spielen.
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