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Über das Weingut
Château Clerc Milon – Bordeaux-Wein mit Energie und Präzision aus Pauillac
Château Clerc Milon besitzt 41 Hektar in einer der besten Lagen von Pauillac. Die zusammenhängende Rebfläche grenzt an zwei Premiers Grands Crus Classés und konzentriert sich rund um die Kieskuppe von Mousset mit Blick auf die Gironde. Cabernet Sauvignon bestimmt den Charakter dieses Bordeaux, doch auch Merlot und ein für das Médoc bemerkenswerter Anteil Cabernet Franc tragen wesentlich zur komplexen Stilistik bei. Hinzu kommen Petit Verdot und sogar Carmenère. Seit 1855 ist Château Clerc Milon als Cinquième Grand Cru Classé klassifiziert.
Ein Grand Cru Classé in prominenter Nachbarschaft
Der Name Clerc Milon verweist auf den Weiler Milon im Norden von Pauillac. Hier befinden sich einige der berühmtesten Weinberge des Médoc. Die Rebflächen von Clerc Milon liegen unmittelbar neben Château Mouton Rothschild und Château Lafite Rothschild. Bei der Klassifikation von 1855 wurde Clerc Milon als Cinquième Grand Cru Classé eingestuft. Das heutige Weingut entstand allerdings erst später durch die Zusammenführung zahlreicher kleiner Parzellen.
Als Baron Philippe de Rothschild das Château 1970 erwarb, befand es sich in einer schwierigen Phase. Der Besitz war stark zerstückelt, die Rebfläche auf nur noch rund 15 Hektar geschrumpft. Rothschild begann, verstreute Parzellen zurückzukaufen und den Weinberg wieder zu einer Einheit zu formen. Heute umfasst Château Clerc Milon 41 zusammenhängende Hektar.
Die Kieskuppe von Mousset
Ein großer Teil des Weinbergs befindet sich auf der Croupe de Mousset, einer leichten Erhebung oberhalb der Gironde. Der Untergrund besteht aus einer komplexen Kombination unterschiedlicher Böden. Kies und äolische Sande, die vor mehr als 35.000 Jahren abgelagert wurden, bilden die Oberfläche. Darunter befindet sich ein Ton-Kalk-Sockel, der im östlichen Teil des Besitzes bis nahe an die Oberfläche reicht. Diese geologische Vielfalt ermöglicht es, die einzelnen Rebsorten sehr gezielt zu platzieren.
Cabernet Sauvignon steht vor allem auf tiefgründigem Kies. Merlot findet auf den tonreicheren Böden an den Hängen der Kuppe günstige Bedingungen. Besonders interessant sind die kalkreicheren Parzellen im Osten, auf denen Cabernet Franc angebaut wird.
Die Nähe zur Gironde wirkt zusätzlich temperaturausgleichend. Extreme Hitze und Kälte werden gemildert, gleichzeitig sorgt die Luftbewegung vom Ästuar für eine gute Durchlüftung der Rebflächen.
Fünf Rebsorten für Clerc Milon
Eine Besonderheit von Château Clerc Milon ist die Vielfalt seiner Rebsorten. Neben Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc spielen Petit Verdot und Carmenère bis heute eine Rolle. Das Château selbst betrachtet alle fünf Sorten als wichtigen Bestandteil der Identität seines Grand Vin. Cabernet Sauvignon gibt dem Rotwein Struktur, Cassisfrucht und sein beträchtliches Reifepotenzial. Merlot sorgt für Fülle und eine geschmeidigere Textur. Cabernet Franc ist für Pauillac in bemerkenswertem Umfang vorhanden und bringt Frische, florale Aromen und Würze ein. Petit Verdot ergänzt die Cuvée um Gewürznoten.
Besonders charakteristisch ist jedoch Carmenère. Clerc Milon besitzt eine 1947 angelegte Parzelle und damit einen der ältesten erhaltenen Carmenère-Bestände im Bordeaux. Die Sorte macht nur einen kleinen Teil der Assemblage aus, kann aber charakteristische Noten von Veilchen und getrockneten Rosenblättern beitragen. Um dieses genetische Erbe zu bewahren, hat das Weingut eine eigene Rebschule eingerichtet.
Alte Reben und genetische Vielfalt
Überhaupt gehören die alten Rebbestände zu den Besonderheiten von Clerc Milon. Ein erheblicher Teil wurde gepflanzt, bevor die Klonselektion im Bordeaux üblich wurde. Dadurch besitzt das Weingut eine genetische Vielfalt, die heute gezielt erhalten und für Neupflanzungen genutzt wird. Einzelne Cabernet-Sauvignon-Reben reichen sogar bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Zusammen mit der alten Carmenère bilden sie ein wertvolles Reservoir historischen Pflanzenmaterials.
Auch die Struktur des Weinbergs wurde in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Noch vor wenigen Jahren bestand der Besitz aus einer Vielzahl kleiner Einheiten. Besonders kompliziert war die rund vier Hektar große Parzelle Padarnac unmittelbar vor dem Weingut, die einst in zahlreiche Grundstücke verschiedener Eigentümer geteilt war. Durch kontinuierliche Zukäufe konnten diese Flächen wieder zusammengeführt werden.
Heute bilden die 41 Hektar eine weitgehend geschlossene Rebfläche – ein erheblicher Vorteil für eine präzise Bewirtschaftung.
Biodiversität zurück im Weinberg
Parallel dazu wurde die Arbeit im Weinberg verändert. Biodiversität spielt heute eine wichtige Rolle. Hecken wurden neu gepflanzt, und Obstbäume wie Pflaume, Apfel und Pfirsich kehrten zwischen die Rebflächen zurück. Unterschiedliche ökologische und teilweise biodynamisch inspirierte Methoden werden erprobt, um Pflanzenschutz und Bodenbearbeitung weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch die technische Innovation. Bereits 2017 testete Clerc Milon den Weinbergsroboter Ted, der bei mechanischer Bodenbearbeitung und Unkrautkontrolle helfen sollte.
Entscheidend ist jedoch weniger die einzelne Maßnahme als die veränderte Perspektive: Weinberg und Keller werden als zusammenhängendes System verstanden. Die Qualität des späteren Grand Cru soll möglichst bereits in der Parzelle entstehen.
Ein moderner Keller ohne klassisches Château
Ein repräsentatives historisches Schloss besitzt Clerc Milon nicht. Dafür entstand 2011 ein technisch und architektonisch bemerkenswerter Kellerbau. Holz, Glas, Beton und Kalkstein prägen das Gebäude. Die Fassade greift mit ihren vertikalen Holzelementen die Struktur der Rebzeilen auf. Im Inneren folgt der gesamte Produktionsprozess der Schwerkraft. Trauben und Most müssen dadurch möglichst wenig gepumpt werden.
Die einzelnen Parzellen werden separat vinifiziert. Unterschiedliche Tankgrößen erlauben es, Rebsorte, Alter der Reben und Herkunft bei der Weinbereitung präzise zu berücksichtigen. Erst anschließend wird entschieden, welche Partien in den Grand Vin und welche in den Zweitwein gelangen.
Caroline Artaud und Jean-Emmanuel Danjoy
Die jüngere Entwicklung von Clerc Milon ist eng mit Jean-Emmanuel Danjoy verbunden. Nach mehreren Jahren bei Opus One im Napa Valley übernahm er 2009 die Leitung des Château. Unter ihm wurden Weinberg und Keller stärker miteinander verzahnt und die parzellenbezogene Arbeit intensiviert.
2020 wechselte Danjoy als technischer Verantwortlicher zu Château Mouton Rothschild. Heute nimmt er als Head Winemaker eine übergeordnete Position für die drei Pauillac-Güter Château Mouton Rothschild, Château Clerc Milon und Château d’Armailhac ein.
Direktorin von Château Clerc Milon ist inzwischen Caroline Artaud. Gemeinsam mit Weinbergsleiter Richard Martin und Kellermeister Frédéric Faure führt sie die Detailarbeit im Weinberg und Keller fort.
Pastourelle de Clerc Milon
Seit dem Jahrgang 2009 erzeugt das Weingut einen Zweitwein. Seinen Namen "Pastourelle de Clerc Milon" erhielt er allerdings erst 2015, als er erstmals unter dieser Bezeichnung vermarktet wurde. Seit dem Jahrgang 2020 wird er auch en primeur angeboten.
"Pastourelle" stammt aus denselben Terroirs wie der "Grand Vin". Merlot spielt in der Assemblage häufig eine größere Rolle, dennoch bleibt Cabernet Sauvignon das strukturelle Rückgrat, ergänzt von Cabernet Franc. Der Stil ist bewusst früher zugänglich. Frucht, Frische und eine weichere Textur stehen im Vordergrund, während die klare Pauillac-Herkunft erhalten bleibt. Damit bietet "Pastourelle" einen guten Einstieg in die Handschrift des Weinguts.
Ein Pauillac mit eigenem Charakter
Château Clerc Milon besitzt die Struktur, die man von Pauillac erwartet, wirkt dabei aber keineswegs eindimensional. Cassis, Brombeere und Schwarzkirsche verbinden sich mit Grafit, Zedernholz, Tabak und Gewürzen. Cabernet Franc und Carmenère können zusätzlich florale und kräuterwürzige Akzente setzen. Junge Jahrgänge besitzen häufig viel Energie und ein deutliches Tanningerüst. Mit einigen Jahren Flaschenreife wird die Textur geschmeidiger, ohne dass der Wein seine Spannung verliert. Clerc Milon ist deshalb ein Rotwein, der zwar zunehmend präzise und zugänglich vinifiziert wird, aber weiterhin von längerer Flaschenreife profitiert.
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