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Über das Weingut
Château Cantenac Brown – Bordeaux-Wein mit Margaux-Finesse
Château Cantenac Brown fällt schon äußerlich aus dem Rahmen. Das im Tudorstil errichtete Château könnte ebenso gut in Südengland stehen, während seine Weinberge eindeutig im Médoc verwurzelt sind. Auf den tiefgründigen Kieskuppen von Margaux dominiert Cabernet Sauvignon, ergänzt von Merlot sowie kleinen Anteilen Cabernet Franc und Petit Verdot. Daraus entsteht ein Bordeaux, der dunkle Frucht und Substanz mit jener floralen Aromatik und feinen Tanninstruktur verbindet, für die Margaux bekannt ist. Seit 1855 gehört Château Cantenac Brown als Troisième Grand Cru Classé zur historischen Klassifikation des Médoc.
Ein Schotte in Margaux
Seinen Namen und sein unverwechselbares Erscheinungsbild verdankt das Château John Lewis Brown. Der aus einer schottischen Kaufmannsfamilie stammende Brown erwarb das Weingut zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ließ das heutige Château im englischen Tudorstil errichten. Brown war Kunstliebhaber, Weinhändler und für seine Gastfreundschaft bekannt. Das Château entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt, an dem Künstler und andere Gäste empfangen wurden. Als die Weine des Médoc für die Pariser Weltausstellung 1855 klassifiziert wurden, erhielt Cantenac Brown den Rang eines Troisième Grand Cru Classé – eine Einstufung, die bis heute gilt.
Auf John Lewis Brown folgten verschiedene Eigentümer. Im 20. Jahrhundert gehörte das Château zeitweise dem Cognac-Haus Rémy Martin. 1989 übernahm AXA Millésimes den Besitz und investierte umfangreich in das zuvor etwas vernachlässigte Weingut. 2006 folgte der syrisch-britische Unternehmer Simon Halabi. Mit ihm kam José Sanfins als Direktor nach Cantenac Brown – und blieb auch nach dem nächsten Eigentümerwechsel.
Tristan Le Lous und eine neue Phase
2019 übernahm die Familie Le Lous um den französischen Unternehmer Tristan Le Lous Château Cantenac Brown. Seitdem wurden sowohl die Rebflächen als auch die technischen Möglichkeiten des Weinguts weiterentwickelt. José Sanfins verantwortet das Château weiterhin als Direktor. Die Kontinuität ist wichtig, denn unter seiner Leitung hat sich Cantenac Brown über die vergangenen Jahre deutlich präzisiert. Die früher teilweise recht strengen, lange verschlossenen Weine besitzen heute mehr Frucht und Zugänglichkeit, ohne ihren klassischen Margaux-Charakter zu verlieren.
Parallel wurde der Weinbergsbesitz durch zusätzliche Parzellen auf hochwertigen Kieskuppen erweitert. Gerade diese Böden sind für Cabernet Sauvignon besonders geeignet und stärken dessen Rolle in der langfristigen Ausrichtung des Château.
Kies als Grundlage des Rotweins
Die Weinberge von Château Cantenac Brown verteilen sich auf unterschiedliche Bereiche der Appellation Margaux. Prägend sind die für das Médoc typischen Kieskuppen aus quartären Ablagerungen, durchsetzt mit feineren Anteilen von Ton und Sand.
Die Kieselsteine sorgen für eine ausgezeichnete Drainage und erwärmen sich tagsüber. Die gespeicherte Wärme wird nachts langsam wieder abgegeben und unterstützt damit die Reifung des spät reifenden Cabernet Sauvignon. Feinere Tonanteile verbessern zugleich die Wasserversorgung der Reben.
Diese Kombination ist wesentlich für den Stil von Cantenac Brown. Der Rotwein besitzt reife Cassis- und dunkle Beerenaromen, bleibt aber von Frische und einer feinen floralen Komponente geprägt. Gerade mit zunehmender Flaschenreife treten Tabak, Zedernholz und Gewürze hinzu.
Cabernet Sauvignon gibt die Richtung vor
Der Weinberg wird klar von Cabernet Sauvignon bestimmt, gefolgt von Merlot sowie kleineren Anteilen Cabernet Franc und Petit Verdot. Die genaue Zusammensetzung des Grand Vin verändert sich abhängig vom Jahrgang.
Der 2025er "Château Cantenac Brown" beispielsweise besteht aus 60 % Cabernet Sauvignon, 38 % Merlot sowie jeweils 1 % Cabernet Franc und Petit Verdot. Cabernet Sauvignon gibt Struktur, Cassisfrucht und Länge, während Merlot Volumen und saftige Frucht beisteuert. Cabernet Franc kann florale und würzige Akzente setzen, Petit Verdot zusätzliche Farbe und Spannung.
Die Pflanzdichten liegen je nach Parzelle zwischen rund 8.500 und 10.000 Rebstöcken pro Hektar. Die einzelnen Rebflächen werden abhängig von Rebsorte, Alter und Terroir separat bewirtschaftet und gelesen.
Mehr Biodiversität im Weinberg
In den vergangenen Jahren wurde die Arbeit im Weinberg zunehmend auf Nachhaltigkeit und Biodiversität ausgerichtet. Chemische Düngung wurde stark reduziert beziehungsweise ersetzt, zwischen und neben den Rebflächen entstanden Lebensräume für Insekten und andere Tiere. Hecken, Wildblumen, Bienenstöcke und Insektenhotels sind sichtbare Elemente dieses Ansatzes. Die Bienen liefern inzwischen sogar eigenen Honig.
Entscheidender für den Wein ist jedoch die Bodenarbeit. Die Förderung des Bodenlebens und eine angepasste Begrünung sollen die Reben widerstandsfähiger machen und gleichzeitig die Eigenheiten der einzelnen Parzellen erhalten.
Ein Keller aus Erde
Besonders deutlich wird die jüngere Entwicklung von Cantenac Brown im neuen Keller. Für das Gebäude wurden in großem Umfang natürliche Materialien eingesetzt. Die tragenden Wände bestehen aus verdichteter Roh- beziehungsweise Stampflehmerde aus der Region. Das Material bietet nicht nur ökologische Vorteile. Die massiven Lehmwände besitzen eine hohe thermische Trägheit und helfen dabei, Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise zu regulieren.
Auch der Arbeitsablauf wurde konsequent auf einen schonenden Umgang mit den Trauben ausgerichtet. Die Vinifikation nutzt die Schwerkraft, um Pumpvorgänge und mechanische Belastungen zu reduzieren. Unterschiedlich große Tanks ermöglichen es, die zahlreichen Parzellen getrennt zu verarbeiten. Damit verbindet der Keller moderne Präzision mit einer Bauweise, die bewusst auf energieintensive Materialien und aufwendige Klimatechnik verzichtet.
Sanfte Extraktion und kontrollierter Holzeinsatz
Die Trauben werden von Hand gelesen und streng selektiert. Die einzelnen Rebsorten und Parzellen gelangen separat in die Tanks. Während der Gärung steht eine möglichst sanfte Extraktion im Vordergrund. Der Ausbau erfolgt anschließend in französischer Eiche. Beim 2025er Grand Vin sind 15 Monate vorgesehen, davon 60 % in neuen und 40 % in einmal belegten Barriques.
Der Holzeinsatz bleibt damit ein wichtiger Bestandteil des Stils, soll aber die Frucht nicht überdecken. Cantenac Brown ist traditionell ein Bordeaux Wein, der einige Jahre benötigt, um sich vollständig zu öffnen. Die jüngeren Jahrgänge verbinden diese Lagerfähigkeit jedoch mit einer saftigeren Frucht und geschmeidigeren Tanninstruktur.
Brio de Cantenac Brown
Der Zweitwein "Brio de Cantenac Brown" wurde 2001 eingeführt. Er entsteht aus einer eigenen Selektion von Parzellen und ist auf eine frühere Zugänglichkeit ausgerichtet. Beim Jahrgang 2025 gingen 35 % der Ernte in den "Brio". Die Cuvée bestand aus 74 % Merlot und 26 % Cabernet Sauvignon und wurde zwölf Monate in 25-Hektoliter-Fudern und französischen Barriques ausgebaut. Der höhere Merlot-Anteil und der zurückhaltendere Ausbau geben "Brio" einen unmittelbareren Charakter. Damit bietet er einen guten Einstieg in die Handschrift des Weinguts, ohne lediglich eine verkleinerte Version des Grand Vin sein zu wollen.
Alto – der rare weiße Cantenac Brown
Eine Besonderheit ist "Alto de Cantenac Brown". Der Weißwein wird seit 2011 erzeugt und stammt von einer lediglich 1,8 Hektar großen Parzelle mit kühlen Ton-Kalk-Böden. Traditionell stehen dort 90 % Sauvignon Blanc und 10 % Sémillon. Die Produktion liegt nur bei rund 7.000 bis 8.000 Flaschen pro Jahr. Der Wein wird als Bordeaux Blanc vermarktet und ist selten zu finden.
"Alto" zeigt eine völlig andere Seite des Weinguts: Zitrusfrucht, Frische und mineralische Spannung stehen im Vordergrund. Beim Jahrgang 2025 kamen neben Sauvignon Blanc und Sémillon erstmals auch 1 % Sauvignon Gris in die Cuvée. Damit ist "Alto" mehr als eine Ergänzung des Sortiments und für Liebhaber weißer Bordeaux durchaus eine Entdeckung.
Margaux mit Reifepotenzial
Château Cantenac Brown gehörte lange zu den Grands Crus, die weniger Aufmerksamkeit erhielten als einige prominente Nachbarn. Dabei können gerade gereifte Jahrgänge zeigen, was dieses Terroir leisten kann. Die kontinuierliche Arbeit von José Sanfins und die Ideen von Tristan Le Lous, zusätzliche hochwertige Parzellen und der neue Keller haben die Voraussetzungen geschaffen, den Charakter der Kiesböden immer präziser herauszuarbeiten. Château Cantenac Brown bleibt dabei ein klassischer Margaux: ein Bordeaux-Wein, bei dem Cabernet Sauvignon und feines Tannin den Rahmen setzen, während Frische, florale Noten und eine zunehmend geschmeidige Textur für jene Finesse sorgen, die den Reiz der Appellation ausmacht.
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