Über das Weingut
Château Canon La Gaffelière – Saint-Émilion mit hohem Cabernet-Anteil
Château Canon La Gaffelière liegt unmittelbar südlich des mittelalterlichen UNESCO®-Weltkulturerbe-Städtchens Saint-Émilion am Fuß der berühmten Côtes. Das 19,5 Hektar große Weingut nimmt innerhalb der Appellation eine besondere Stellung ein: 50 % Merlot stehen hier ungewöhnlich hohen 40 % Cabernet Franc und 10 % Cabernet Sauvignon gegenüber. Die früh erwärmenden Ton-Kalk- und Ton-Sand-Böden lassen auch die Cabernets zuverlässig ausreifen. So entsteht ein Bordeaux-Wein, der reife Frucht und Substanz mit Frische, würziger Aromatik und feiner Struktur verbindet. Seit 2012 gehört Château Canon La Gaffelière zu den Premiers Grands Crus Classés von Saint-Émilion.
Die Grafen von Neipperg in Saint-Émilion
Die Geschichte des Château reicht wesentlich weiter zurück. Bereits im 17. Jahrhundert ist das Gut als Domaine de la Gaffelière belegt. Im Laufe seiner Geschichte wechselte es mehrfach den Besitzer, bis Joseph-Hubert von Neipperg das Château 1971 erwarb.
Die Grafen von Neipperg stammen aus einer alten Adelsfamilie, deren Geschichte sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und die bis heute auch in Württemberg Wein erzeugen. Ihr französisches Kapitel begann jedoch erst mit dem Engagement in Bordeaux zu einer Zeit, in der Bordeaux seine Krisen durchlebt hat und in der Investments von außen durchaus gefragt waren. Seit den 1980er-Jahren ist Stephan von Neipperg für die Güter der Familie verantwortlich und hat aus Canon La Gaffelière den Mittelpunkt eines Portfolios mehrerer Weingüter am rechten Ufer gemacht.
Dazu gehören heute unter anderem La Mondotte und Clos de l’Oratoire in Saint-Émilion sowie Château d’Aiguilhe in Castillon-Côtes de Bordeaux und Clos Marsalette in Pessac-Léognan.
Vom Grand Cru Classé zum Premier Grand Cru Classé
Canon La Gaffelière wurde bereits bei der ersten Klassifikation von Saint-Émilion 1955 als Grand Cru Classé eingestuft. Unter Stephan von Neipperg entwickelte sich das Château insbesondere seit den 1980er- und 1990er-Jahren qualitativ weiter.
2012 folgte die Aufstufung zum Premier Grand Cru Classé B. Bei der jüngsten Klassifikation 2022 wurde diese Position bestätigt, wobei die frühere Kategorie B inzwischen nicht mehr verwendet wird. Château Canon La Gaffelière gehört damit heute zu den zwölf Premiers Grands Crus Classés ohne die zusätzliche Auszeichnung A.
Ton und Kalk am Fuß der Côtes
Das Terroir unterscheidet Canon La Gaffelière von vielen berühmten Nachbarn auf dem eigentlichen Kalksteinplateau. Die 19,5 Hektar liegen überwiegend am Hangfuß und sind von Ton-Kalk- sowie Ton-Sand-Böden geprägt. Diese Böden besitzen eine hohe Wärmekapazität und sind gut drainiert. Sie erwärmen sich vergleichsweise früh und schaffen damit Bedingungen, unter denen neben Merlot auch Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon regelmäßig vollständig ausreifen können.
Das ist entscheidend für die Identität des Château. Während viele Weingüter in Saint-Émilion deutlich vom Merlot dominiert werden, besitzt Canon La Gaffelière einen der höchsten Cabernet-Anteile unter den führenden Châteaux der Appellation. Der Wein wirkt dadurch nicht wie ein reiner Kalkstein-Saint-Émilion. Er besitzt häufig etwas mehr Fülle und Substanz in der Mitte, verbindet diese aber mit der Frische, Kräuterwürze und der floralen Aromatik des Cabernet Franc.
40 Prozent Cabernet Franc
Die Reben sind durchschnittlich rund 50 Jahre alt. Merlot liefert reife rote und dunkle Frucht, Geschmeidigkeit und Volumen. Cabernet Franc steuert florale Noten, Kräuter, Gewürze und eine straffere Struktur bei. Cabernet Sauvignon ergänzt die Cuvée mit zusätzlichem Tannin und Frische. Die tatsächliche Assemblage variiert dabei deutlich mit dem Jahrgang. 2021 beispielsweise bestand der Grand Vin aus 35 % Merlot, 45 % Cabernet Franc und 20 % Cabernet Sauvignon. 2022 waren es 50 % Merlot, 35 % Cabernet Franc und 15 % Cabernet Sauvignon.
Alte Reben und eine eigene Massenselektion
Die Arbeit im Weinberg erfolgt ausgesprochen kleinteilig. Die einzelnen Parzellen werden separat bewirtschaftet und abhängig von Boden, Rebsorte und Reifeentwicklung gelesen. Bei Neupflanzungen greift das Château auf eigenes genetisches Material zurück, das über Massenselektion aus besonders geeigneten alten Rebstöcken gewonnen wurde.
Seit dem Jahrgang 2014 arbeitet Château Canon La Gaffelière zertifiziert biologisch. Die Zertifizierung war dabei weniger Ausgangspunkt als Ergebnis einer bereits länger verfolgten Entwicklung. Bodenleben, Biodiversität und eine Reduzierung der Eingriffe rückten zunehmend in den Mittelpunkt. Die hohe Pflanzdichte und das beträchtliche Alter der Reben tragen zusätzlich dazu bei, die natürliche Konzentration über den Weinberg und nicht über hohe Extraktion im Keller zu erreichen.
Langsame Vinifikation statt maximaler Extraktion
Auch die Weinbereitung folgt diesem Ansatz. Die Trauben werden von Hand in kleinen Kisten gelesen und vor und nach dem Entrappen nochmals sortiert. Auf ein Quetschen der Beeren wird verzichtet. Die Gärung erfolgt parzellenweise in temperaturkontrollierten Holzbottichen. Abhängig vom Jahrgang dauert die Maischestandzeit etwa 28 bis 35 Tage. Die Extraktion erfolgt durch pneumatische Pigeage, wobei bewusst mit moderaten Temperaturen gearbeitet wird.
Der entscheidende Gedanke dahinter ist nicht maximale Konzentration. Vielmehr sollen die einzelnen Partien ihre jeweils eigene Struktur und Aromatik bewahren. Die Eingriffe während Vinifikation und Ausbau wurden deshalb über die vergangenen Jahre sukzessive reduziert.
Weniger neues Holz
Besonders deutlich lässt sich diese Entwicklung beim Ausbau beobachten. Noch beim Jahrgang 2012 wurden 80 % neue Barriques eingesetzt. 2014 waren es 70 %, 2016 noch 60 %. Beim 2022er lag der Anteil schließlich bei lediglich 40 %. Der Wein reift auf der Feinhefe, wobei jede Partie individuell behandelt wird. Die Dauer des Ausbaus liegt je nach Jahrgang meist zwischen 15 und 18 Monaten.
Damit hat sich der Stil von Canon La Gaffelière weiterentwickelt, ohne seine grundsätzliche Identität zu verändern. Der Rotwein besitzt weiterhin reife Frucht und eine gewisse Fülle, doch das Holz tritt stärker zurück. Cabernet Franc, Frische und die Eigenheiten der unterschiedlichen Parzellen werden deutlicher sichtbar.
Les Hauts de Canon La Gaffelière
Der "Grand Vin" macht traditionell den weit überwiegenden Teil der Produktion aus. Nur eine kleine Menge wird als "Les Hauts de Canon La Gaffelière" abgefüllt. Der Zweitwein stammt vor allem von jüngeren Reben und ermöglicht eine zusätzliche Selektion für den Premier Grand Cru Classé.
Ein eigenständiger Saint-Émilion
Château Canon La Gaffelière lässt sich nur bedingt auf das verbreitete Bild eines merlotdominierten Saint-Émilion reduzieren. Dafür ist der Anteil an Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon zu bedeutend. Gerade diese Sorten geben dem Wein seine würzige, florale und häufig etwas kühlere aromatische Kontur.
International gehört das Château seit Langem zu den regelmäßig hoch bewerteten Parker-Weinen aus Saint-Émilion. Wer einen Bordeaux Wein sucht, der die Fülle des Merlot mit einem ungewöhnlich hohen Cabernet-Anteil und einer präzisen, zunehmend zurückhaltenden Vinifikation verbindet, findet in Château Canon La Gaffelière einen Premier Grand Cru Classé mit klar erkennbarem Profil.
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