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Über das Weingut
Château Bellevue – Bordeaux aus 100 % Merlot
Château Bellevue liegt auf den Hängen und Ausläufern des Kalksteinplateaus von Saint-Émilion, nur wenige hundert Meter von Château Angélus entfernt. Das heute drei Hektar große Weingut ist vollständig mit Merlot bepflanzt und besitzt einen ungewöhnlich homogenen Bestand an Ton-Kalk-Böden. Daraus entsteht ein Bordeaux Wein, der die Reife und Tiefe des Merlot mit einer kühlen, mineralischen Struktur verbindet. Seit der Klassifikation von 1955 gehört Château Bellevue zu den Grands Crus Classés von Saint-Émilion; 2022 wurde dieser Status erneut bestätigt.
Ein Grand Cru Classé mit langer Geschichte
Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück. Archäologische Spuren belegen Weinbau bereits in gallorömischer Zeit. Im 17. Jahrhundert gehörte das "Fief de Bellevue" der Familie Lacaze; aus dieser Epoche stammt auch die Chartreuse, die bis heute das Bild des Château prägt. 1938 übernahm Louis Horeau, ein Cousin von Jean Lacaze, den Besitz. Später folgten Jacques Pradel de Lavaux und René de Coninck. Bei der ersten Klassifikation von Saint-Émilion im Jahr 1955 wurde Bellevue als Grand Cru Classé eingestuft.
Eine entscheidende Phase begann 2007. Die Familie de Coninck verkaufte ihre Hälfte an die Familie de Boüard de Laforest, Eigentümerin des benachbarten Château Angélus. Bellevue wurde fortan gemeinsam von den Familien Pradel de Lavaux und de Boüard geführt. Das Team von Angélus übernahm die technische Betreuung und investierte in Weinberg und Keller.
Die Teilung von Bellevue im Jahr 2022
Diese gemeinsame Geschichte endete im Oktober 2022. Die beiden Eigentümerfamilien teilten die Rebflächen untereinander auf. Die Familie de Boüard erhielt rund drei Hektar Merlot auf kühlem Tonboden, die anschließend in Château Angélus integriert wurden.
Château Bellevue selbst blieb bei der Familie Pradel de Lavaux. Für die Klassifikation 2022 wurde der neu zugeschnittene Besitz mit drei Hektar Rebfläche eingereicht und erneut als Grand Cru Classé bestätigt. Damit ist das heutige Château Bellevue kleiner als das Weingut, aus dem beispielsweise die Jahrgänge 2010, 2015 oder 2016 hervorgegangen sind. Wer ältere Jahrgänge kauft, begegnet also einem Bellevue aus der Zeit vor der Teilung – ein wichtiger Unterschied für die Einordnung des Weins.
Drei Hektar Ton und Kalk
Das heutige Weingut umfasst drei Hektar zusammenhängende Rebfläche. Die Parzellen befinden sich vor allem am mittleren und unteren Teil der Hänge und sind nach Süden und Südwesten ausgerichtet. Der Boden besteht aus Ton über Kalkstein. Diese Kombination ist für den Charakter von Bellevue entscheidend. Der Ton kann Wasser speichern und verzögert zugleich die Erwärmung des Bodens. Die Reife erfolgt deshalb vergleichsweise langsam. Der Kalkstein im Untergrund sorgt für gute Drainage und trägt zu jener straffen, häufig salzig wirkenden Struktur bei, die den Rotwein von Bellevue prägt.
Gerade Merlot findet hier ausgezeichnete Bedingungen. Die Sorte kann vollständig ausreifen, ohne ihre Frische frühzeitig zu verlieren. Das unterscheidet Bellevue von wärmeren Sand- und Kieslagen innerhalb der Appellation.
Château Bellevue und der Merlot
Heute ist Château Bellevue zu 100 % mit Merlot bepflanzt. Das durchschnittliche Alter der Reben liegt nach Angaben des Conseil des Vins de Saint-Émilion bei rund 40 Jahren. Schon vor der Teilung 2022 war Merlot die entscheidende Sorte. Früher vorhandene Cabernet-Franc-Stöcke wurden sukzessive entfernt, sodass Bellevue bereits mehrere Jahre vor der Neuordnung reinsortige Merlot-Weine erzeugte.
Das ist für einen Grand Cru Classé aus Saint-Émilion durchaus bemerkenswert. Cabernet Franc spielt bei vielen Châteaux des Kalksteinplateaus eine wichtige Rolle und mit dem Klimawandel auch eine immer entscheidendere. Bellevue zeigt dagegen, wie präzise und strukturiert Merlot auf einem kühlen Ton-Kalk-Terroir ausfallen kann.
In der Nase dominieren häufig Pflaume, Schwarzkirsche und dunkle Beeren, ergänzt durch florale, erdige und würzige Noten. Am Gaumen verbindet sich die dichte Frucht mit präsenten, aber feinen Tanninen und einer kalkig-salzigen Frische. Gerade diese Spannung verhindert, dass die natürliche Fülle des Merlot schwer wirkt.
Die Jahre mit Château Angélus
Die Jahre zwischen 2007 und 2022 haben den heutigen Ruf von Château Bellevue wesentlich geprägt. Nach dem Einstieg der Familie de Boüard wurde die Arbeit im Weinberg intensiviert und der Keller modernisiert. Das technische Team von Château Angélus betreute Bellevue sowohl im Weinberg als auch bei der Vinifikation. Emmanuelle Fulchi, langjährige Önologin und technische Direktorin bei Angélus, war von 2008 bis 2021 zugleich für die technische Betreuung von Bellevue verantwortlich.
Aus dieser Phase stammen einige der international besonders hoch bewerteten Jahrgänge und Bellevue tauchte damit regelmäßig unter den hoch bewerteten Parker-Weinen aus Saint-Émilion auf. Die Bedeutung dieser Bewertungen liegt weniger in einzelnen Punktzahlen als darin, dass sie Château Bellevue international größere Aufmerksamkeit verschafften. Das Weingut stand lange im Schatten prominenter Nachbarn, obwohl sein Terroir unmittelbar an einige der bekannten Lagen von Saint-Émilion grenzt.
Biologischer Weinbau
2016 begann Château Bellevue mit der Umstellung auf biologischen Weinbau. Die Arbeit im Weinberg rückte damit noch stärker in den Mittelpunkt. Auf einem so kleinen Weingut lässt sich besonders präzise arbeiten. Die drei Hektar bilden heute eine weitgehend homogene Einheit, sodass Boden, Exposition und Reifeentwicklung sehr detailliert berücksichtigt werden können. Die Lese erfolgt von Hand. Im Keller kommen Beton-, Holz- und Edelstahltanks zum Einsatz. Der Ausbau erfolgt traditionell im Barrique.
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