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Über das Weingut
Château La Louvière – Weine aus Bordeaux mit sieben Jahrhunderten Geschichte
Château La Louvière gehört zu den traditionsreichsten Weingütern der Appellation Pessac-Léognan. Seine Geschichte reicht bis ins frühe 14. Jahrhundert zurück, als auf den Kiesböden südlich von Bordeaux bereits Reben wuchsen. Heute ist das Château vor allem für seine langlebigen trockenen Weißweine bekannt, erzeugt aber auch elegante, strukturierte Rotweine. Seit 1965 gehört La Louvière zur Familie Lurton, deren Engagement entscheidend zur Entwicklung der Appellation Pessac-Léognan beigetragen hat.
Von den Kartäusermönchen zur Familie Lurton
Bereits 1310 wird das Anwesen unter dem Namen "La Lobeyra" erwähnt. Im 16. Jahrhundert erweiterten Pierre de Guilloche und sein Sohn Jean die Weinberge. Einen wichtigen Aufschwung erlebte das Gut ab 1620, als es in den Besitz der Kartäusermönche der Chartreuse de la Miséricorde in Bordeaux gelangte.
Die Mönche entwickelten den Weinbau weiter und legten großen Wert auf die Kellerarbeit. Ihre Rot- und Weißweine fanden Käufer in Frankreich, England und Flandern. Besonders die Weißweine genossen schon früh einen ausgezeichneten Ruf und wurden im 18. Jahrhundert bis nach Sankt Petersburg exportiert.
Nach der Französischen Revolution wurde der kirchliche Besitz 1791 versteigert. Der Bordelaiser Kaufmann Jean-Baptiste Mareilhac erwarb das Anwesen und ließ das heutige Château errichten. Der Architekt François Lhôte entwarf ein klassizistisches Herrenhaus, dessen Innenräume der flämische Maler François-Louis Lonsing ausgestaltete. Seit 1991 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
1965 kaufte André Lurton das damals vernachlässigte Weingut und begann mit seiner umfassenden Wiederbelebung. Es war sein erster Erwerb in der Region, die später zur Appellation Pessac-Léognan werden sollte.
André Lurton und die Entstehung von Pessac-Léognan
André Lurton gehörte zu den prägenden Persönlichkeiten des modernen Weinbaus in den Graves. Er setzte sich über viele Jahre dafür ein, die besonderen Terroirs rund um Pessac, Léognan und Martillac deutlicher von den übrigen Graves abzugrenzen.
1987 wurde Pessac-Léognan schließlich als eigenständige Appellation anerkannt. Château La Louvière spielte bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle, denn André Lurton hatte hier bereits mehr als zwei Jahrzehnte in die Erneuerung der Weinberge und die Verbesserung der Weinqualität investiert.
Heute gehört das Château zu den Vignobles Famille André Lurton. Jacques Lurton führt das Familienunternehmen als Präsident und bringt seine internationale Erfahrung in die Weiterentwicklung der Weine ein.
Kiesböden mit unterschiedlichen Eigenschaften
Die Weinberge von Château La Louvière liegen in der Gemeinde Léognan, südlich von Bordeaux. Das Weingut verfügt über rund 69 Hektar Rebfläche, von denen 58 Hektar mit roten und elf Hektar mit weißen Rebsorten bestockt sind.
Die Böden bestehen überwiegend aus tiefgründigen Kiesablagerungen, wie sie für die Graves charakteristisch sind. Sie wurden über lange Zeiträume von der Garonne und ihren Zuflüssen abgelagert. Der Kies speichert tagsüber Wärme, ermöglicht eine gute Drainage und begünstigt die gleichmäßige Reife der Trauben.
Die weißen Rebsorten wachsen auf abwechslungsreicheren Böden. Neben sandigem und lehmigem Kies finden sich kalkhaltige und mergelige Partien am Fuß der Hänge. Diese Unterschiede tragen zur aromatischen Vielschichtigkeit und zur frischen Säurestruktur der Weißweine bei.
Sauvignon Blanc und Sémillon – die Weißweine
Auch wenn die weißen Sorten mit 11 Hektar die Minderheit bilden, sind die daraus entstehenden Weine doch besonders bekannt. Die weißen Rebflächen sind zu etwa 96 % mit Sauvignon Blanc und zu 4 % mit Sémillon bepflanzt. In einzelnen Jahrgängen wird Château La Louvière Blanc vollständig aus Sauvignon Blanc erzeugt.
Die Rebsorte liefert Aromen von Zitrusfrüchten, weißem Pfirsich, Stachelbeeren und frischen Kräutern. Auf den Kies- und Kalkböden entwickelt sie eine ausgeprägte Frische und eine präzise Struktur. Sémillon kann der Cuvée zusätzliche Fülle und eine weichere Textur verleihen.
Die Trauben werden von Hand in mehreren Durchgängen gelesen, um den optimalen Reifezeitpunkt der einzelnen Parzellen zu berücksichtigen. Nach einer kurzen Maischestandzeit beziehungsweise dem Kontakt mit dem feinen Trub erfolgt die Gärung in Barriques und 600-Liter-Fässern.
Anschließend reift der Wein etwa zehn Monate auf der Hefe. Rund 30 % der Fässer sind neu. Regelmäßiges Aufrühren der Hefe unterstützt die Entwicklung einer cremigen Textur und verbindet die Frucht mit den dezenten Holzaromen.
Weißweine mit bemerkenswertem Reifepotenzial
Château La Louvière Blanc gehört zu jenen trockenen Weißweinen aus Bordeaux, die besonders von einigen Jahren Flaschenreife profitieren können. In der Jugend dominieren Zitrusfrüchte, exotische Frucht und florale Noten, begleitet von einer lebendigen Säure.
Mit zunehmender Reife entwickeln sich komplexere Aromen von Honig, Wachs, gerösteten Nüssen und getrockneten Früchten. Die Frische bleibt dabei häufig über viele Jahre erhalten.
Das Weingut gibt für den aktuellen Jahrgang 2024 ein Reifepotenzial von zehn bis 15 Jahren an. Hervorragende ältere Jahrgänge können auch deutlich länger überzeugen. Gerade diese Fähigkeit zur Entwicklung macht den Weißwein von La Louvière zu einem interessanten Vertreter der Appellation Pessac-Léognan.
Cabernet Sauvignon und Merlot – die Rotweine
Die roten Rebflächen sind mit rund 55 % Merlot und 45 % Cabernet Sauvignon bestockt. Die tatsächliche Assemblage verändert sich jedoch von Jahrgang zu Jahrgang. So besteht Château La Louvière Rouge 2023 aus 60 % Merlot und 40 % Cabernet Sauvignon.
Merlot verleiht dem Wein seine geschmeidige Frucht und eine großzügige Textur. Cabernet Sauvignon bringt Struktur, Frische und würzige Aromen ein. Die tiefgründigen Kiesböden bieten beiden Sorten günstige Bedingungen.
Die Trauben werden von Hand gelesen und sorgfältig sortiert. Die Vinifikation erfolgt in temperaturkontrollierten Tanks sowie teilweise in kleineren Holzbehältern und Amphoren. Für den Jahrgang 2023 wurden rund 20 % des Weins in unterschiedlichen Gebinden integral vinifiziert.
Der Ausbau dauert etwa zwölf Monate in französischen Barriques, von denen 40 bis 50 % neu sind. Ein kleiner Anteil kann in Tonamphoren reifen. Dadurch bleibt die Frucht präsent, während die Tannine an Geschmeidigkeit gewinnen.
Die Stilistik der roten La Louvière
Château La Louvière Rouge zeigt typischerweise Aromen von Schwarzen Johannisbeeren, Kirschen und Pflaumen, ergänzt durch Tabak, Gewürze und dezente Röstaromen. Mit zunehmender Reife treten Leder, Unterholz und gelegentlich Grafit hinzu.
Am Gaumen verbinden sich eine dichte Frucht und feste, aber feinkörnige Tannine mit einer frischen Säure. Der Wein besitzt die Struktur klassischer Graves-Rotweine, wirkt jedoch durch den hohen Merlot-Anteil häufig besonders geschmeidig.
Das Château empfiehlt für seine Rotweine eine Flaschenreife von mehr als 15 Jahren. Auch internationale Kritiker, darunter The Wine Advocate und andere führende Weinpublikationen, bewerten die Weine regelmäßig. Damit gehört La Louvière zu den interessanten Adressen für Liebhaber klassischer Bordeaux- und Parker-Weine.
L de La Louvière und weitere Weine
Neben den beiden Hauptweinen erzeugt das Château den Zweitwein L de La Louvière in Rot und Weiß. Er stammt überwiegend aus jüngeren Reben und ist auf eine frühere Trinkreife ausgelegt.
Der rote L de La Louvière wird überwiegend im Edelstahl vinifiziert und reift etwa zwölf Monate in Barriques mit einem geringeren Neuholzanteil. Er zeigt eine offene Frucht, weiche Tannine und eine zugängliche Struktur.
Der weiße Zweitwein wird ebenfalls im Holz vergoren und auf der Hefe ausgebaut. Er verbindet die aromatische Frische des Sauvignon Blanc mit einer geschmeidigen Textur.
Zum Sortiment gehören außerdem Les Lions de La Louvière in Rot und Weiß sowie in geeigneten Jahren ein edelsüßer Weißwein aus botrytisierten Trauben unter der Appellation Graves Supérieures.
Historisches Château und moderne Weinbereitung
Château La Louvière verbindet ein bedeutendes architektonisches Erbe mit zeitgemäßer Kellertechnik. 2009 wurde ein neuer, teilweise unterirdischer Fasskeller eröffnet, der Platz für rund 1.000 Barriques bietet.
Die Modernisierung ermöglicht eine präzisere Vinifikation und einen differenzierten Ausbau der einzelnen Partien. Zugleich bleibt die historische Anlage mit ihrem klassizistischen Herrenhaus und dem weitläufigen Park ein wichtiger Bestandteil des Weinguts.
Unter den Weinen aus Bordeaux nimmt Château La Louvière damit eine eigenständige Stellung ein. Besonders die Sauvignon-Blanc-geprägten Weißweine zeigen, welches Reifepotenzial die Kies- und Kalkböden von Pessac-Léognan besitzen. Die Rotweine ergänzen das Sortiment mit klassischer Graves-Struktur, Frucht und Eleganz.
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