Das Treffen der Giganten: Marcobrunn trifft Margaux

Das Treffen der Giganten: Marcobrunn trifft Margaux

Tradition heißt nicht, die Asche aufheben, sondern die Flamme weiterreichen.“ (Ricarda Huch).

 

Dies gilt auch für junge Traditionen – wie die seit dem Jahr 2000 stattfindende große Verkostung der Versteigerungsspitzen am Vorabend der berühmten Auktion im Kloster Eberbach. Bis ins Jahr 1921 reichten hier schon die Weine zurück, die im Rahmen des renommierten Rheingau Gourmet Festivals ausgeschenkt wurden. Ein Festival der Extraklasse, bei dem sich Spitzenköche und Starwinzer aus aller Welt die Ehre geben und feinste Kreationen mit Weinen auf höchstem Niveau präsentieren. Vom Genießer über den Weinliebhaber bis hin zum Weinexperten ist in diesen Tagen alles anzutreffen.

 

Ein Treffen der Giganten sollte die 18. Edition des diesjährigen Galadinners werden. Aber keines Wegs mit einem Drama enden, wie in dem berühmten Kultfilm mit Janes Dean. So trafen sich auch hier zwei große Klassiker, mit denen Dieter Greiner, Direktor des Weingutes Kloster Eberbach und ich, neue Wege beschreiten wollten. Das Ziel war es, neue und spannende Akzente zu setzen und so war die Idee auch schnell gefunden: berühmter Riesling trifft weltbekannten Rotwein. Fehlten nur noch die passenden Partner, die selbstverständlich in Beziehung zueinander stehen sollten. Das großartige und vielfältige Lagenportfolio des Weinguts Kloster Eberbach mit seiner unglaublichen Jahrgangstiefe aus der berühmten Schatzkammer bot uns genug thematischen Stoff für die Umsetzung der Idee. Doch welche der exzellenten Lagen könnte wohl einen Berührungspunkt mit einem ausländischen Weingut haben? Ein Amerikaner und dazu noch ehemaliger US Präsident brachte uns die Verbindung: Thomas Jefferson, damals noch Botschafter der jungen vereinigten Staaten in Paris bereiste 1788 Europa. Er war ein großer Weinenthusiast und so blieb es nicht aus, dass er eine Klassifizierung der besuchten Weingüter vornahm. Château Margaux – ein Wein-Juwel in Bordeaux – stellte er mit einigen anderen Weinen in Frankreich an die Spitze. Aber auch deutsche Weine hatten es ihm angetan darunter die erstklassigen Lagen Marcobrunn im Rheingau und der Doctor an der Mittelmosel.

 

Hier war sie nun, unsere dringend benötigte und gesuchte Gemeinsamkeit, so dass die kulinarisch-önologische Reise beginnen konnte. Der neue Küchenchef des Hattenheimer Kronenschlösschens, Simon Stirnal, komplettierte mit seinem Talent dieses hochwertige Duo und lies es zum Genuss Trio par excellence aufsteigen. Ein Auftakt nach Maß stand an mit den Kloster Eberbach Marcobrunn Auslesen 2015, 2010 und 2002, die wunderbar die Reifeentwicklung der Lage dokumentierten und hervorragend die Aromen der Crème brûlée von Foie Gras unterstrichen. Die Messlatte lag nach diesem ersten Gang schon hoch, doch die reifen Auslesen von 1998, 1996 und 1976 führten gekonnt weiter, was ihre Vorgänger präsentierten. Die Reifenoten und komplexen Aromen verbanden sich ausgezeichnet mit der feinen Süße der Jakobsmuscheln und der Würze des Boudin Noir. Das anschließende Kabeljaufilet mit Kartoffelespuma bot ein Intermezzo, das von drei Großen Gewächsen aus 2015, 2014, 2013 und einem Ersten Gewächs aus 2007 begleitet wurde. Ein Festspiel für den Gaumen, denn jeder dieser Weine allein hätte schon perfekt zu dem Gericht gepasst. Doch wie so häufig, ist das Bessere der Feind des Guten und an den Tischen wurden bereits lebhafte Diskussionen über die wohl perfekteste Kombination laut.

 

Es folgte der Klassiker – Château Margaux. Eine zweiteilige Serie des berühmten Premier Cru Classés aus dem gleichnamigen Ort, an dem wohl auch Thomas Jefferson seine helle Freude gehabt hätte. Pavillon Rouge du Château Margaux 2005 und die beiden Grand Vins von 1995 und 1985 zeigten das enorme Lagerpotenzial dieses Spitzenweins. Genussvolle Gesichter und der Glanz in den Augen der Teilnehmer zeigten, dass das Fest der Sinne schon fast auf seinem Höhepunkt angekommen war. Mit 2011 und 1983 wurden in Folge zwei weitere Jahrgänge präsentiert, die stilistisch zwei unterschiedliche Epochen illustrierten, aber durch eine große Gemeinsamkeit verbunden waren: einem feinen, eleganten Duft und die große Frische am Gaumen.

 

Abgerundet wurde dieses erlesene Dinner mit einem Finale, das selbst die letzte kritische Stimme hätte verstummen lassen: Zur neu interpretierten Tarte Tatin wurden drei weitere erstklassige Gewächse serviert, Eisweine aus den Jahrgängen 1992, 1988, 1985 und 1984. Wahre Raritäten, denn Eisweine werden im Zuge der Klimaveränderung immer mehr zur Seltenheit.

 

Ein denkwürdiges Dinner mit einer von den Gästen sehr positiv aufgenommenen Idee fand so einen krönenden Abschluss. Nun heißt es erneut auf Ideensuche zu gehen, denn nach dem Dinner ist vor dem Dinner und vielleicht heißt es beim nächsten Rheingau Gourmet Festival: Steinberg trifft Sassicaia oder Baiken trifft Barolo?

matthias